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Reisebericht Kerstin Gebhardt Frühjahr 2021

6.3.2021

Da bin ich wieder . In Gambia, ohne Plan, dafür aber mit viel Zeit, denn wir warten auf unseren Container. Voll mit Zaunmaterial, Gartengeräten, Schultafeln, Kreide, Saatgut usw. usw. Der Container ist in Gambia, aber noch immer auf dem Hafengelände. Also wird die Zeit zum Lernen genutzt. Welche Pflanzen wachsen hier und wofür werden sie genutzt. Mit Kamera, Block und Stift war ich im Busch. Der Plan war, die Frauen nach dem Namen und dem Nutzen zu fragen. Ich hörte viel über Pflanzen gegen Fieber, Durchfall, Moskitos, schwarze Füße , was immer das ist, Holz für den Bootsbau und Holz für Beerdigungen, aber Namen sind das Problem. Manche Frauen sagen dann einfach einen Namen, um nicht unhöflich zu erscheinen. Naja, besser da flunkern, als wenn ich nach dem Weg frage, das ist mir auch schon passiert. Leider gibt es nur ganz wenige Bücher über Pflanzen in Gambia und auch sehr unvollständig. Egal, die 2 Tage habe ich jedenfalls viel gelernt. Nach einer Stunde im Busch hätte ich gern eine Pause gemacht, aber hinsetzen ist so eine Sache. Der Mangowurm wartet eventuell (er hat nichts mit Mangos zu tun, wird aber oft von Europäern fälschlicherweise so berichtet), oder die schwarzen Ameisen. Die hauen einem ihre Kieferwerkzeuge ins Fleisch und wenn man sie erschlägt, lassen sie diese als Andenken zurück. Nicht angenehm, ich habe leider Erfahrung. Also heißt es im Stehen rasten. Meine eingesammelten Samen transportiere ich in einem umgekrempelten Hosenbein meiner Leggins. Der schmale Rückweg kann auch mal versperrt werden. Sind die Hörner zu groß, mach ich sehr gerne Platz ich bin ja die Fremde. Wenn der Container in Kitty ist, wir sortiert und gesichtet haben, dann wird der Plan gemacht. Dann werde ich durch das Land reisen und sicher noch 1000 Fragen über ihre Bäume und Pflanzen stellen. Stück für Stück füllt sich mein Notizbuch. Am Ende werde ich zum Medizinmann gehen um Bestätigung (oder auch nicht) meiner gesammelten Infos zu bekommen.

7.3.21

Der Fluß an dem ich wohne wird immer schmaler, Trockenzeit halt. Das Wasser geht, die Salzkruste bleibt. Er ist voll mit Talapia und somit sind die Krokodile ebenfalls satt und zufrieden.

Gestern lagen ein Moped und 3 Fahrräder am Straßenrand. Von den Besitzern keine Spur. Weit weg standen die sie dann, die Augen angstvoll geöffnet. Sie wurden Opfer eines Bienenschwarmes. Diese Biester sind hier echt aggressiv. Ich hatte einmal das Vergnügen und brauche es nie mehr. Die Stiche waren jetzt nicht schmerzvoller als bei uns, aber wenn sie auf einen losgehen, sind es tausende und das macht Angst. Ich konnte in einen Raum flüchten, die vier mussten wegrennen, denn Fahrradfahren war nicht mehr möglich.

Nach der Rückkehr vom Holzmarkt startete ich auf meinen Abendspaziergang. Diesmal führte er ins Dorf. Ein Gezwitscher in den Büschen, manche klingen wie Wellensittiche. Schön zu wissen, dass diese Klänge aus der Freiheit kommen.

Die vielen bunten Vögel, die meinen Weg kreuzten, sind traumhaft schon. Von Rot über Türkis bis Hellgrün und bunt, alles dabei. Fotos gehen schlecht, da sie sofort im Busch verschwinden. Wenn ich am Bintang Bolong bin, wird es einfacher die Vögel mit der Kamera einzufangen. Im Dorf kommen natürlich gleich die neugierigen Kinder angeflitzt.

Mir lief der Schweiß von der Stirn, in Ermangelung eines Taschentuches musste ich den Rock nehmen, aber nur wenn keiner guckt. Einen Rock bis zum Gesicht ziehen, da bleibt unten nicht so viel bedeckt. Natürlich konnte ich mein Pflanzenwissen auch heute wieder erweitern und ich habe endlich eine Aasblume gefunden. Auf dem Rückweg kamen die Frauen aus dem Busch. Sie haben Feuerholz und Medizinpflanzen auf dem Kopf. Wirklich praktisch, man hat die Hände frei. Das werde ich nie lernen.

Meine Halligalliblechtanzgruppe vom Dezember ist auch wieder aktiv und Fatou bekocht mich vorzüglich. Einfach schön. Diese Nacht will der Agent vom Hafen zu unserem gambischen Vereinschef kommen, um zu klären, wann der Container aus dem Hafen kann. Da bleibt nur beten.

8.3.21

Heute war der Plan eine Freundin abzuholen, um Bücher kaufen zu fahren. Vorher musste ich Geld tauschen. Also haben wir angerufen und gebeten alles vorzubereiten.... einen ganzen Sack voll Geld zählen dauert, naja, Gambia halt. Eine geschlagene Stunde haben wir gebraucht, bis alles fertig war.

Noch tanken und los. Die Freundin musste bei einer Namenszeremonie abgeholt werden. Eine riesen Feier für alle. An dem Tag bekommt ein Baby (7 Tage nach der Geburt) seinen Namen. Ich war 3-mal bei solch bunter Feierei dabei, für mich ist das nichts mehr. Ich bin lieber im ruhigen Busch bei meinen Krokodilen.

Welch Wunder, sie empfand es auch als Erlösung. Es ging dann gemeinsam in den tollsten Buchladen Gambias, der hat bei mir die Anziehungskraft wie zu Hause das Gartencenter. Um 5300 Dalasi erleichtert (90 Euro), ging es dann in mein Lieblingsrestaurant, um Frauentag zu feiern. Der Container ist noch immer im Hafen und nun kam noch ein großes Schiff mit Reis, welches vorrangig entladen wird. Dafür habe ich Verständnis und genieße die freie Zeit in vollen Zügen.

9.3.21

Manchmal ist Afrika auch kalt. So kalt, dass ich mir jetzt einen Pullover geborgt habe. Der Platz im Koffer ist begrenzt. Allerlei Geschenke, Masken, Arbeitshandschuhe, 3 Bücher usw. Früh und ab 20 Uhr ist es frisch. Nachts reicht das dünne Bettlaken auch nicht, zum Glück ist eine Decke immer im Koffer, der seit 3 Jahren hier bleibt. Das Suchen hat auch mal wieder begonnen. Bei 2 Arbeitskisten und Koffern braucht man, um den Tacker zu finden. Eigentlich hatte ich im Dezember alles systematisch geordnet, aber jetzt frag ich mich gerade, was das für ein System gewesen sein soll? . Bis zur Abreise werde ich wohl alles gefunden haben.

Hatte heute eine dienstliche Zoomkonferenz. Dafür brauche ich aber ein gutes WLAN. Nach Empfehlung fuhr ich in ein bekanntes Restaurant. Hatte nicht geglaubt, dass es klappt, aber gehofft. Naja, mal kurz hatte ich die Kollegen auf dem Bildschirm. Das Netz war gruselig. Egal, der Versuch zählt . Dann ging es auf ans Meer um 2 Touristen abzuholen. Sie wohnen nun mit im Busch.

Ihre Unterkunft die letzten 2 Tage war ein Baumhaus. Sie fanden es herrlich.

Auf dem Rückweg (4 Weiße im Auto) wurden wir von der Polizei raus gewunken. Wir mussten zur Polizeistation und wußten, dass wir nix falsch gemacht haben. Aber bald ist Ramadan und das Geld ist knapp. . Unsere Papiere wurden einkassiert und mitgenommen. Sicher überlegte man jetzt im Office, was man uns anhängen könnte. Hilfe war nah. Ein kurzes Gespräch eines gambischen Freundes und der Polizei und schon gab man uns unsere Papiere wieder und entschuldigte sich für die Störung.

Schnell noch zur Destillerie Cashew Schnaps für die Jungs für heute Abend kaufen, abgefüllt in kleinen Plastikflaschen. 40 Cent das Fläschchen.

Nachrichten vom Container gibt es auch, aber wie erwartet, keine guten. Ich sage nur Geld, Geld, Geld. Man will hier helfen und wird so gequält. Dass es um Hilfe für die eigenen Leute geht, spielt keine Rolle. Manchmal frage ich mich, warum ich mir das antue. Aber nur manchmal.

Mein Abendspaziergang ließ alles vergessen. Natur und Vogelgesang, einfach herrlich.

10.3.21

Ein neuer Morgen. Ein neues Reisschiff, der Container braucht noch. Also raus in die Natur. Durch die Gartentür und ab in die Wildnis, bei Sonnenaufgang, herrlich. An der Vogeltränke holt sich die Halligalliblechdachtruppe Wasser. Auf dem Foto sieht man, wie gut getarnt sie sind. Danach ging es mit Papa aufs Boot. Ich liebe es. Wieder weniger Bäume und wieder weniger Vogelarten. Inzwischen roden die Gambier immer öfter und verkaufen das Holz an die Chinesen. Es ist so traurig. Wir machen Rast und spazieren auf einer kleinen Insel im Fluss. Papa erzählt von seinen Vorfahren. Erklärt, dass das früher alles Wald war mit Löwen, Hyänen und Schimpansen. Alles weg. Es gab richtige Mahagoniewälder, jetzt sieht man mal einen einsamen Baum. Meinen Lieblingsbaum haben wir auch gesehen. Ich habe ihn Bommelbaum getauft, die roten Früchte erinnern mich an Bommeln. Es ist Neto oder Affenbrot. Papa hat mir erzählt, dass sie Pulver aus den Früchten machen. Er hat seiner Großmutter oft dabei geholfen, denn im August sind die Mangos alle, der Reis aufgebraucht, da war dieses Affenbrot manchmal das einzige Essen. Die Dorfjungs haben die Früchte vom Baum geholt und die Großmütter haben sie nachts zu Pulver verarbeitet. Nachts, weil es tagsüber sehr heiß ist.

Meine Halligallitruppe baut ein neues Nest, genau wie die Webervögel ihre Kugelnester. Am Anfang habe ich mich gefragt, wie man Eier in einer Kugel halten kann, in der die Öffnung unten ist. Die Natur ist schon erfinderisch. Jede Kugel hat an der Seite eine kleine Beule, darin liegen die Eier.

Heute war eigentlich ein Marktbesuch angesagt, aber ich bekam ein Anruf, dass unser Manager nicht kommt, es ist Beerdigung. Hier werden die Menschen binnen 24 Stunden beerdigt, so dass schon oft meine Pläne durchkreuzt wurden. Jetzt stört es mich nicht im Geringsten. ...no Plan, da kein Container da ist.

Und dann doch Marktbesuch, die Beerdigung ist auf 14 Uhr verschoben. Schnell unter die Dusche....kein Wasser da. Egal, einmal schütteln, Parfüm auf den Dreck und ab zum Markt. Der Trubel, die Gerüche, die Farben, ich liebe meinen Busch dann doch mehr. Man kann wirklich fast alles kaufen. Hülsenfrüchte, Nüsse, Maismehl, Teeblüten, Medizinpflanzen, Holzkohle sogar Nachttischlampen, auch wenn der Nachttisch oft nicht vorhanden ist.

Immer öfter werde ich nun auf meinem Abendspaziergang gefragt, ob ich mitfahren möchte. Taxis, Privatauto's, sogar kleine Sandtrucks fahren durch den Busch. Wenn ich dankend ablehne, sehe ich Unverständnis. Warum läuft man einfach so durch den Busch?? . Die Schönheit ihrer Natur sehen nur Wenige. Der Kopf ist voll mit anderen Dingen. Ich bin zwar mit Kamera und Wasser unterwegs, aber mal wieder ohne Taschentuch um den Schweiss abzuwischen. Also Rundumblick und zum Rock hochheben kam es nicht. Ein Mütterchen stand neben mir und bot mir Ihren Rock an. Ich hatte sie weder gesehen noch gehört. Ist das nett, ich habe aber abgelehnt und meinte, ich würde meinen Rock nutzen.

Weiter ging es durch den Busch. Ich suchte nach meinem " Titanwurz ", wollte sehen, wie er gewachsen ist. Nach unten blickend blieb ich schmerzhaft mit meinen Haaren in einem abgebrochenen Ast mit netten Dornen hängen. Na super, Gefahren lauern überall und mein Wurz war abgefressen. Für heute reicht es.

11.3.21

Heute ist es nun ganz ruhig. Meine Mitbewohner sind zu den Schimpansen aufgebrochen. Sie werden 2 Nächte bleiben. Ich wäre sehr gern mitgefahren, aber in den 3 Tagen kann jede Minute ein Anruf aus dem Hafen kommen. Also sitze ich am Fluss bei Omelett und Tapalappa (Weißbrot). Fatou ist eine tolle Gastgeberin. Jeden Abend kocht sie ein anderes, afrikanisches Gericht und alles ist lecker, manchmal zu scharf für mich. Das letzte Mal haben wir zusammen gekocht, das ist jetzt schwieriger. Sie haben sich eine Küche gebaut, in der der Qualm stehen bleibt. Fatou kommt jedes Mal mit tränenden Augen raus. Offenes Feuer in einem Raum.... Unter freiem Himmel war es echt besser, Erklärungen schlagen fehl, wie so oft. Aber gut, es ist ihr Leben und ich habe kein Recht mich einzumischen. Kochen geht nicht, also helfe ich der Mutter Besen herzustellen. Die Fäden stammen aus Palmenblättern, werden sortiert, getrocknet und dann zusammengebunden. Die Einzelfaser wird gern auch mal aus dem Besen gezupft und als Zahnstocher verwendet.

Danach laufe ich zu den Frauen auf der anderen Seite des Flusses. Ich hasse diese Brücke. Es knackt und wackelt und unter mir die . Der Garten, den ich besuche, braucht weder Zaun noch Brunnen. Am Ufer des Flusses reicht es ein Loch zu buddeln. Ein Zaun ist auch nicht nötig. Hier gibt es kein Dorf und wo kein Dorf ist, gibt es auch keine freilaufenden Tiere, die alles abfressen. ...Außer Affen, da hilft aber auch kein Zaun. Wir haben eine Vogelscheuche gebaut. . Die Frauen kommen z.T. aus 10 km entfernten Dörfern. Also wird hier gekocht, gegessen und gearbeitet. Für mich war der Weg beschwerlich. Alles ist zugewuchert und da Ufergelände, sehr feucht. Das Gras schneidet in die Beine und alte Wasserlöcher warten darauf, dass ich rein trete. Die Frauen lotsen mich mit lauten Rufen. Rechts, links, geradeaus. Angekommen erzählten sie mir, dass sie diesen " Weg " nie gehen.... Es seien zu viele Schlangen am Ufer. Manches wird auch nicht besser, wenn man es danach erfährt. Ja klar, alles schön feucht. Nun gut, mal wieder Glück gehabt. Der da oben passt auf mich auf. Da die Frauen keine Schuhe besitzen, ziehen sie Socken an. Zuvor werden die Füße mit Stoff umwickelt. Das schützt vor dem scharfen Gras hier. Es ist Süßkartoffelzeit. Die Pflanzen kommen in quadratische Hügelbeete und überwuchern bald alles. Die Blätter bringen mehr Geld als die Knollen. In kleine Sträußchen gebunden sind 150 Sträuße in 10 Minuten verkauft. Ich habe noch Samen von Kereng Kerengo geerntet, ich möchte zu Hause Foufou kochen. Ein stärkehaltiger Brei. Total lecker.

Auf dem Rückweg versucht ein Mann die Brücke zu reparieren, sie sei kurz vor dem Zusammenbrechen. Manche Info ist auch rechtzeitig gegeben kontraproduktiv. Ich muss noch drüber, jeder Muskel zitterte, ich hatte echt Schiss, aber der Mann versprach mich zu retten, wenn ich reinfalle. Ja klar, wo hier fast niemand schwimmen kann. In Zeitlupe bin ich sicher auf der anderen Seite gelandet. Habe gerade die Info bekommen, dass meine Rückflug geändert wurde. Mal sehen, wie oft das noch passiert. Ist jetzt das zweite Mal.

Diesmal begleitete mich Papa auf meinen Abendspaziergang. Er ging gleich mit Buch in der Hoffnung wir könnten Antworten auf meine Fragen finden. Es waren tolle 2 Stunden. Wir haben viel gelacht und gesehen. Noch schnell meinen Schwamm für die Dusche und den Samen für zu Hause gepflückt und dann waren wir zurück. Fatou wartete schon mit leckerem Hühnchen auf uns.

12.3.21

Ein neuer Tag ohne Plan. So langsam könnte der Container kommen. Bezahlt haben wir inzwischen genug. Aber gut. Ich werde morgens immer langsamer. Meinen ersten Kaffee gab es 8 Uhr. Für mich normalerweise zu spät, aber ich habe ja das, was mir sonst immer fehlt. ZEIT .

So entschließe ich mich zu wandern. Ich wählte einen neuen Weg, ohne Ziel. Es ist diesig und windig. Die Sträucher spenden Schatten und Schutz vor dem aufgewirbelten Sand. Ich durchquerte 3 Dörfer, keine Ahnung welche, es gibt ja weder Straßennamen noch Ortsschilder. Ein kleiner Junge im Schlafanzug kreuzt meinen Weg. Ansonsten sind wenig Leute unterwegs. Ich laufe und laufe und genieße einfach nur. Ein neues Dorf wird sichtbar. Für mich klar, hier leben Christen. Es gibt eine kleine Kirche, Schweine rennen rum und an den Palmen hängen Flaschen für Palmwein. Ich bin schon 1,5 Stunden unterwegs und beschließe noch das Dorf zu durchqueren und dann umzudrehen. Die Sonne brennt inzwischen ganz schön. Auf einmal höre ich Kinder meinen Namen rufen. . Hä??? Bin ich im Kreis gelaufen? Ich kriege mit, dass die Rufe aus einer Schule kommen, die ich nicht kenne. Bei den auf einmal zahlreichen winkenden Kindern kann ich kein Gesicht ausmachen, welches ich kenne. Ich winke zurück und gehe weiter. Noch immer weiß ich nicht wo ich bin. Und dann...ich sehe ein Tor, welches ich durchaus kenne. Das zu Hause unseres Managers. Ich bin platt und kann es nicht fassen. Den Weg bei ihm bin ich noch nie gegangen, da die Projekte auf der anderen Seite liegen. Ich ging rein und Yaya und Lamin begrüßen mich herzlich und gehen raus, um zu sehen, welches Taxi ich benutzt habe. Als ich ihnen erklärt habe, dass ich gelaufen bin, konnten sie es nicht fassen. Wie hast Du uns gefunden fragten sie ungläubig. Als ich antwortete, dass ich sie gar nicht gesucht habe, machte sich Erstaunen breit. Niemand läuft ohne ein Ziel, einfach so rum. Dann kam unser Manager, sichtlich verschlafen, aus der " Küche". Er meinte nur kurz, dass er sich über nichts mehr wundert. Es wurde immer heißer und ich startete die Rücktour. Heute ist Freitag und die Männer bereiten sich auf die Moschee vor. Yaya brachte mich noch zum Dorfausgang und meinte, dass er in 2 Stunden durchbimmeln wird, ob ich auch gut gelandet bin. Das tat er auch.

Nach einem Kaffee und einer Dusche kam der Anruf, der Container kann abgeholt werden. Ausgerechnet am Freitag. Den LKW besorgen geht schnell, aber der Kran zum Abladen in Kitty ist das Problem. Bei uns klappt das sonntags auch nicht und hier ist Freitag unser Sonntag.

Ich sitze an meinem Fluss und warte auf Nachricht den Kran betreffend, da schwimmen 2 Holzstückchen gegen die Strömung, dann auf einmal Richtung Flussufer. Sie kamen komplett geräuschlos aus dem Wasser und es hing ein Krokodil dran. Es war kein Holz, es waren die Augen und nur die waren über der Wasseroberfläche. So ein Tier kommt ohne jegliche Geräusche daher, für mich faszinierend. Selbst die Vögel blieben am Ufer stehen. Man scheint sich zu kennen.

Die Ruhe ist vorbei, wir finden keinen Kran zum Abladen des Containers. Der eine hat seinen verkauft, der andere hat Motorschaden und der Letzte kann nur leere Container heben. Wir sollten nun alles auspacken und danach wieder einpacken. NEIIIN. Ich weiß was Packen bedeutet. Der Maschendraht liegt zusammengeschnürt auf Palette drin, das bekommen wir nie wieder so gepackt. 2 Stunden telefonieren folgte und ein Kran kommt nun aus Banjul. Das ist nicht gerade um die Ecke, aber uns bleibt der Stress erspart. Warten ist nicht mein Ding, also ging es auf zum Abendspaziergang. Heute sind Tatsache 16 km Weg zusammengekommen.

Der Kran ist da, kann aber den Container auch nicht abladen. Der Kran kommt aus dem Hafen und der Kranbesitzer wusste, dass der Container voll ist. Das ist Gambia...Ohne Worte. Ich gehe ins Bett sonst platze ich noch. Lesen beruhigt. Mal sehen was der morgige Tag bringt

13.3.21

Inzwischen habe ich einen Weckdienst. Der Glanzstar klopft entweder ans Fenster oder an die Blechtür. Ich sitze am Fluss und genieße die kühle Brise. Es ist, als wenn man in einem großen Vogelbauer sitzt. Überall zwitschert es. Wenn es heiß wird lässt es etwas nach, um abends wieder zu starten. Ich starte erstmal zum Container. Vorsichtig öffnen die Jungs die Tür. Nichts fällt raus, alles war super gepackt und verzurrt.

Wir haben gesichtet und geordnet, nach Reihenfolge des Bedarfes. Nun steht auch der Plan. Der Sterilisator für ein Krankenhaus hat den Transport überlebt, wie auch die Solarkits. Nun bekommen Dörfer ohne Strom Licht für die Familien. Die aufgeladene Lampe ist gleichzeitig eine Powerbank. Super Erfindung.

Wieder zurück ging ich mit den Dorfjungs angeln. Talapia und Krabben. Es ging so flott. Angel rein und sofort ist auch was dran. Aus den Krabben wird Krabbensuppe der Fisch wird gekocht und mit Reis gegessen. Aber er hat viiiel Gräten. Nun kommen die Landkarten zum Einsatz, um die Touren festzulegen. Ich möchte eigentlich nicht unterwegs schlafen, es wird aber so kommen. Das Land hat immer noch zu viele Autos und zu wenig Straßen. Eine kürzere Strecke muss nicht automatisch weniger Fahrzeit bedeuten. Wenn es off road geht, brauchen wir sogar einen Guide. Ohne jegliche Beschilderung muss man sich ansonsten durchfragen, was leider auch durchaus schief gehen kann. Wie schon erwähnt gibt nicht jeder zu, dass er den Weg nicht kennt und sagt einfach etwas. 4 Leute fragen, in 3 unterschiedliche Himmelsrichtungen werden wir geschickt.

Als ich zurück war gab es ein großes Familientreffen bei Fatou, welches jäh unterbrochen wurde. Der Sohn ihrer Schwester wurde diese Nacht umgebracht. Die Nachricht kam gerade an. Die Jungs rauchen Stoff und trinken Alkohol. Sie wollen sich betäuben, um der Ausweglosigkeit zu entfliehen. Dann reicht ein kleiner Streit und sie kennen keine Grenzen mehr. Sooo traurig.

Meine Mitbewohner sind wieder da. Sie haben Schimpansen, Nilpferde und Pelikane gesehen. Ja, so ein Ausflug ist einfach ein Highlight.

14.3.21

Der Tag beginnt wie immer. Kaffee trinken am Fluss, aber dieses Mal mit frischer Kokosnuss. Gestern Abend wurde noch viel geplant und telefoniert. Die Sachen aus dem Container müssen zum Bestimmungsort. Die Zaunrollen müssen verteilt werden. Dazu muss nochmal neu ausgemessen werden, hier verändert sich der Meter ständig. Auch unser 10 ha Garten in Sahadatou wird kleiner. Noch mehr Familien sind aus dem trostlosen Gebiet weggezogen. Es gibt nichts dort. Nicht einmal einen winzigen Laden. Nur Gehöfte und wüstenähnliche Felder. Der Dorfälteste ist glücklich, dass sein Traum " Familiengarten " wahr wird und hofft, dass die Weggezogenen zurückkommen, wenn der Garten steht. Das Bohrloch wurde schon gedrillt. Kurz vor der Regenzeit ist der beste Zeitpunkt. Nun kommt der Zaun. Wenn alles klappt, bekommen wir die Solarzellen sogar gespendet. Nun kann sich ein anderes Dorf auf der Nordbank über einen Garten freuen. Der Verein Gesundheit und Bildung Gambia hatte voriges Jahr angefragt, ob sie auch einen Garten bekommen könnten. Ihr Manager Rise klärt nun alles mit dem Dorfältesten von Ndofan ab. Ende März werde ich vor Ort sein und in die Planung gehen.

Der heutige Ausflug in die Gärten von Kitty war toll, schön zu sehen, wie er genutzt wird. Weitere Sachen aus dem Container fanden ihre Abnehmer. Da ich jetzt 2 Tage nichts auf dem Plan habe bin ich vollkommen ungeplant an den Bintang Bolong gefahren. Die weiteren Termine müssen alle abgesprochen werden und die Dorfältesten oder Schulleiter müssen Zeit für uns haben. Das war jetzt zu spontan für alle. Egal dafür bin ich jetzt in einer superschönen Lodge, leider ohne Touristen. Das Essen war vorzüglich und die Natur grandios. Die Frösche machen einen riesen Lärm, hoffentlich kann ich schlafen.

15.3.21

Die Nacht war grauenhaft. Die Frösche müssen hier riesig sein. Die gesamte Nacht klang es, als ob Baumaschinen arbeiten. Ich habe noch eine Nacht hier und werde morgen halb tot zu meinem Fluss zurückkehren. Diese Jahreszeit ist zum Wandern äußerst ungünstig am Bintang. Überall steht Wasser und man versinkt förmlich. Es gibt massig Moskitos. So unterschiedlich sind die Orte in verschiedenen Jahreszeiten. Dafür haben die Affen so richtig Spaß. Von allen Seiten kommen sie angesprungen.

Da ich nicht wandern kann und auch Nichts tun keine Stärke von mir ist, bin ich zu anderen Gärten aufgebrochen. Alle Zwiebeln faulen, die Frauen sind ratlos. Auf die Frage, ob sie Fruchtwechsel betreiben, bekam ich die erwartete Antwort. Nein. Jedes Jahr kommen an die selbe Stelle Zwiebeln. Ich meinte dann, dies sollte dringend gelehrt werden. In Kitty funktioniert es doch auch. Sie erzählten mir, dass Landwirtschaft ein Schulfach sei, aber die Lehrer selber keine Ahnung davon haben. Außer Gießen und die Kenntnis der verschiedenen Nutzpflanzen, wurde nichts beigebracht.

In unserem Projekt in Kolior sieht es besser aus, aber auch hier zu viele Zwiebeln, zu wenig Mix. Mal wieder gab es ein spontanes Meeting. Ich war bewusst nicht angemeldet, wollte sehen, ob alles gut ist, ohne Vorwarnung. Ich habe nun erneut den Frauen erklärt was zu tun ist. Die Zwiebelfliege wütet. Die Noternte hat begonnen. Die Lagerfähigkeit ist nicht gegeben. Zum Glück steht Ramadan vor der Tür, da werden viele Zwiebeln benötigt.

Ich entschließe mich zu einer Landwirtschaftsschule zu fahren um zu sehen, ob man dort die Frauen weiterbilden kann. Der Lehrer war nicht da. Es gibt ganze 3! Schüler, wovon einer der Nachtwächter ist. Der letzte Unterricht fand im Oktober 2020 statt. .... Das macht irgendwie nicht viel Sinn.?! Was sind denn das für Organisationen??

Leider kann ich hier nur schlecht durch die Natur wandern. Der gesamte Boden am Flussufer ist nass und glitschig, so dass meine Beine schneller waren als mein Körper. Ich war von oben bis unten voller Schlamm. Ich musste nun meine Haare mit Geschirrspülmittel waschen. Meine Duschcreme wäre sicher noch blöder. Wenn ich morgen wieder bei meinen Krokodilen lande, muss ich eine Komplettsanierung vornehmen.

Schlimme Nachrichten erreichen mich aus Sanyang. Die Polizeistation und die Fischfabrik brennen. Angezündet von Menschen, die ihren Freund rächen wollen. Er wurde gestern ermordet. Was ist hier nur los? Ist das die unendliche Verzweiflung? Ist es die Wut auf den Präsidenten? Keine Ahnung, aber die Unzufriedenheit wächst und die Armut auch. Man fühlt sich machtlos.

Es gab heute Buffet, da hier ein großes Meeting der Regierung stattfand. Nur eine Köchin ist da, die Verspätung war vorprogrammiert. Da ich nur frühstücke ist Abendbrot in der Nacht etwas spät. Die Köchin beschwerte sich bei mir. Ihr Wochenende sei jetzt wegen diesem Meeting hin. Ich meinte zu ihr, dass doch heute Montag sei und mußte lernen, dass hier 2 Tage frei das Wochenende sind. Egal auf welchen Wochentag die freien Tage treffen

16.3.21

Heute musste der Wecker klingeln, denn eine Zoomkonferenz mit Deutschland stand an. Ich hoffte, daß das Restaurant wie gewünscht und gestern abgesprochen, 8 Uhr öffnet. Dort steht ein vernünftiger Tisch, drin ist es kühl und leise. Die Datenleitung war beim Test gestern gut. Pustekuchen...Es ging schon damit los, dass mein Fahrer zu spät kam, dann hatte das Restaurant natürlich nicht offen. So setzte ich mich davor in den Dreck und wählte mich ein. Die Staubwolken und der LKW-Lärm sorgten dafür, dass ich wenig verstehen konnte und der Computer in ein paar Minuten komplett eingestaubt war. Außerdem kam ich natürlich zu spät in die Besprechung.

Zurück bei Fatou gab es Brot mit Mayonnaise und darin Kartoffelsalat. Manchmal gibt es auch Baguette mit Spaghetti .

Kerstin, die das Projekt in Sutukoba betreut stehen gerade die Haare zu Berge. Sieht sie doch mal live, wie hier Vermessungen stattfinden. Krum und schief, einmal Maßband oben, am anderen Ende unten. Das alles ist mir nicht neu. Ich arbeite nur noch mit Circa-angaben.

Der Termin für den Einkauf von Baumaterial ist geplatzt, es findet mal wieder eine Beerdigung statt. Eine 20 Jährige aus Kitty ist im Krankenhaus verstorben. Also ging ich alleine zum Shoppen.

Obwohl ich sehr viel Geld und Zeit investiere, um den Menschen ein wenig zu helfen, gibt es noch immer extra teure Preise wegen meiner Hautfarbe. Der Verkäufer heute im Baustoffhandel hat sogar Kinder in einer Schule, die durch uns gefördert wird. Er kennt mich auch und weiß was wir als Verein tun. Ich habe ihm, nachdem er mir Preise sagte, angesäuert zu verstehen gegeben, dass er gerade versucht Spendengelder zu veruntreuen. Er meinte, woher ich das denn weiß, dass die Preise überteuert sind. Man konnte Fragezeichen auf der Stirn wachsen sehen. Tja, er konnte halt nicht wissen, dass ich vorher die Preise telefonisch erfragen ließ. Von einem Landsmann natürlich. Während meiner Erklärung konnte ich deutlich sehen, wie er das rechte Ohr zum Empfang meiner Erklärung nutzte und das Linke ohne Umwege zum Entleeren seines Gehörganges. Dazwischen liegt der Kopf mit 2 Augen, aus denen ich lesen konnte " es interessiert mich gerade überhaupt nicht was Du hier laberst ". Also bin ich gegangen und ließ dann einkaufen. Zu 50 % meines Preises und dann noch mal Rabatt. Manchmal ist helfen eine Einbahnstraße.

Die Beerdigung ist um Stunden verschoben worden, es gibt Probleme den Leichnam aus dem Krankenhaus zu bekommen. Also erneut Planänderung. Auf zum Deutschentreffen zum turntable , ein Kreisverkehr aber irgendwie ohne Regeln. Wie im gesamten Straßenverkehr. In einem Land wo man einen Führerschein kaufen kann ohne je am Lenkrad gesessen zu haben, sind Regeln auch unnötig. Genau wie die Verkehrsschilder, die sehr spärlich vorhanden sind. Oft versteht man den Sinn auch nicht. Vielleicht sind sie gespendet worden und wo Platz war hat man sie eingebuddelt.? Auf freier Landstraße Überholverbot, das Aufhebungskennzeichen war aber scheinbar alle. Das kam selbst nach 100 km nicht. Es interessiert hier niemanden. Überladene LKW's, Buschtaxis wo draußen noch 4 Leute dran hängen weil voll, oder Eselkarren auf der Straße, wo der Esel nicht mehr will. Ein gewohntes Bild.

Ich erfreue mich jede Minute an der Natur hier. Städte oder Menschenansammlung brauche ich weder zu Hause noch hier. Endlich habe ich auch eine Eule gesehen. 6 Jahre musste ich darauf warten. Allerdings bekam ich einen Tipp, ich hätte sie nicht gesehen.

Ich stehe wie ein Anhalter an der Straße und warte auf einen Bekannten. Wir wollen zusammen zum Treffen. Je nach Verkehrslage kann das Warten endlos werden. Durch die Brände in Sanyang sind vielleicht sogar Straßen unpassierbar. ZEIT hat hier eine ganz andere Bedeutung. Der Bus fährt ab, wenn er voll ist und nicht zu einer bestimmten Uhrzeit. Irgendwo pünktlich sein ist schier unmöglich.

Beim Treffen ist mir ein eiskalter Wind entgegenkommen. Das blieb den ganzen Abend so. Ich habe mir von einer Kellnerin eine Jacke borgen müssen. Das gab es echt noch nie. Eine Sauna wäre jetzt schön. Morgen geht es ins heiße Sutukoba. Krasser geht es nicht. Ich suche jetzt meine Wollsocken und geh mit 3 Decken ins Bett.

17.3.21

Hurra, die Frösche hatten Pause, warum auch immer. Ich habe super geschlafen und versuche einen anderen Weg zum Spaziergang. Mit Pullover und langer Hose. Es ist zu kalt. Es sind 19 Grad. Wenn man tagsüber 39 Grad gewöhnt ist, sind 19 Grad Winter. Der Weg ist zwar trocken, endet aber nach kurzer Zeit auf der Straße. Überall sieht man gesammeltes Holz. Bald ist Ramadan, da wird viel gebraucht. Leider nehmen auch die Buschfeuer zu. Nur meine " Lieblingspflanze " verbrennt nicht. Dieses Kraut ist ein echtes Übel. Kein Tier frisst es und man bekommt es nur mühsam entfernt. Eine lange Pfahlwurzel lässt die Pflanze alles überleben. Baut man ein Haus darauf wird es früher oder später reißen. Dann wanderte ich noch kurz durch die Mangroven. Zurück in der Lodge gab es den ersten Kaffee. Herrlich.

Danach gab es Porridge. Der ist und wird nicht meine Leibspeise.

Dann ging es zurück in meine " Heimat" Aus dem Container mussten Zaunrollen und Pfähle geholt werden. Der Transport ins Hinterland ist morgen. Bei meinen Krokodilen angekommen hatte ich Zeit zum Lesen. Soo schön. Der Abend war entspannend am Tisch mit deutschen und amerikanischen Besuchern. So entspannt kann es weiter gehen

18.3.21

Es ist noch stockdunkel. Der Wecker war auf 4 Uhr gestellt. Unser Manager holt mich in dicker Jacke und Pudelmütze ab. Es ist Winter. 17 Grad. Die Straßen sind frei. Vor uns ein Buschtaxi ohne Licht, nur ein Blinker funktioniert, den lässt er auch vorsorglich an. Fahrradfahrer ohne Licht. Entgegenkommende LKWs mit Aufblendlicht.  heisst das so?) Man ist schlagartig blind. Es ist wahnsinnig anstrengend, man muss stehts die Augen offen halten, um niemanden umzufahren. Heute geht es nach Sutukoba. Unser Boss reißt die Fenster auf, ich denke er ist müde und braucht frische Luft. Ich ziehe mich auf die Rückbank zurück. Es ist sooo kalt. Ich habe Kopfschmerzen, bin müde und friere. Der Tag kann einfach nur besser werden. Zum ersten Mal wählen wir den Weg über die neue Brücke in Farafenni. Wir müssen ja auf die andere Seite des Flusses. Schlagartig bin ich wach. Es knallt und rumpelt so schlecht ist die " Straße " zur Brücke, aber dann sehen wir die neue Straße und sind happy. Wir sortieren unsere Knochen und bezahlen für die Benutzung der Brücke. Das Ticket stecke ich in die Tasche. 2 Meter weiter!! will man das Ticket sehen. Die Dame stand daneben und hat gesehen, dass wir gezahlt haben. Ok, raus aus der Tasche, sie guckt es nicht mal an, rein in die Tasche. Ich sag nur, das war nicht das letzte Mal. Zum Schluss wurde es zerrissen. Die Schnipsel bekam ich zurück. Oh Mann, aber es wurden 5 Arbeitsstellen geschaffen, auch gut. Es wurde hell, die pure Erholung für die Augen und ein anderes Gambia kommt zum Vorschein. Ein ärmeres. Kinder in zerfetzten T-Shirts waschen Autos, niemand hat hier eine Jacke an. Man kann sehen, dass sie frieren. Die Straße gehört jetzt uns und den Eselkarren. Rechts und links der Straße steht nur vertrocknetes Buschwerk.

Hurra, ein Shop kommt, ich brauche Wasser. Ich gehe in den kleinen Laden, nur aus Brettern bestehend mit einem Regal. Es gibt Sardinenbüchsen, Trockenmilch, Maggie, Zwiebeln und Wasser. Ich bitte um ein Sechserpack. Die Frau meinte dann sie verkauft nur lose. Ok, dann bitte 6 lose Flaschen. Sie ging weg und kam mit einem 6er Pack wieder. Sie entfernte die Verpackung, holte eine Tüte und stellte die Flaschen rein. Man kann dazu nichts sagen, es ist zu verrückt. Ich bedankte mich und ging. Ich ging einfach.

Jemand war so lieb und hat die Sonne angeknippst. Es wird angenehm warm. Wir fahren an den traditionellen Wohnhöfen vorbei, abgemagerten Rindern und fröhlich spielenden Kindern.

Wir fahren Stunde um Stunde immer gerade aus. Es wird heiß. Ich ziehe mich auf der Rückbank um. Wieder vorn, wollte ich das Handy in die Ablage packen und weg ist es. Ich hatte es irgendwie zwischen 2 Ablagen geschoben. Gleichzeitig ist die Straße mit Geschäftstreibenden verstopft. Eselkarren und ein Buschtaxi verkeilen sich. Alles wird in Ruhe entknotet. Die Polizei hält uns mal wieder an. Sie hätten noch nicht gefrühstückt, meine Antwort: ich auch nicht. Er: ok dann Fahrzeugpapiere, Führerschein, das volle Programm. Ich fragte dann, ob er jetzt hofft einen Fehler zu finden, um doch noch Geld zu bekommen? Das hat er abgestritten und fühlte sich gleichzeitig doch ertappt. Wir durften ohne Kontrolle weiter.

Dann endlich, ich sehe den Garten und eine weiße Frau winkt Kerstin heißt uns willkommen. Seit 5 Tagen schuftet sie zusammen mit den Frauen im Garten. Es sind inzwischen 44 Grad. Ich bitte zuerst um einen Schraubenzieher. Mein Handy ist unter die Konsole gerutscht und bestimmt kochend heiß. Der Boss schimpft mich aus, ich sei kein Automechaniker und würde alles kaputt machen, wir müssten in eine Werkstatt. Aber da kann ich auch gut meine Ohren auf Durchzug stellen. Karamo hat mir geholfen und Schwupps war das kochende Telefon wieder da. Ein leckeres Frühstück wird gereicht und Karamo hat nicht vergessen, dass ich Kaffee mag. Es wurde per Lieferdienst mit dem Eselkarren gebracht. Kerstin schenkte mir eine leckere Mango. Was will man mehr. Dann ging es zu den Reisfeldern. Sie sind vorbereitet und werden bald geflutet. Die Jungpflanzen warten schon auf mehr Platz. Leider warten die Nilpferde auch schon. Wir hoffen, dass sie nicht wieder alles platt machen.

Unser Frauengarten sieht toll aus, wie nicht anders erwartet. Dann holte ich die bestellte Moringa- und Honigseife ab. Das Seifenprojekt der Frauen soll auch Unterstützung finden. Viele Gesichter erkenne ich wieder und ehrliche Freude des Wiedersehens erreicht mich. Im Dorf werden Erdnüsse geschält, die Schalen sind ein gutes Mulchmaterial im Garten. Leider müssen wir schon wieder starten.

Der Weg ist lang. Der Diesel im Tank reicht nicht. Zum Glück gibt es den auch ohne Tankstelle zu kaufen. Wir schwitzen. Mit unserem Wasser in den Flaschen könnten wir jetzt Kaffee kochen. Meine Feuchttücher sehen aus als hätte ich mich eine Woche nicht geduscht.

Aus der Straße ist wieder ein bunter Markt geworden. Wir schlängeln uns irgendwie durch. Hatte ich schon erwähnt, dass ich schwitze. So langsam bekomme ich auch Hunger und ein Kaltgetränk wäre jetzt echt super. Inzwischen ist mir komplett egal wie ich aussehe oder rieche. In Farafenni, wo wir den Fluss queren, halten wir an. Es gibt wie immer bei langen Touren, Ziege mit Zwiebeln. Für unseren Chef ein Fest. Ich esse natürlich mit. Mit den Fingern. Die Löffel sind in der Wäsche.

Es geht weiter. Der Fahrstil wird aber immer aggressiver. Ich merke, unser Chef will nach Hause. Ich ziehe den Hut, denn 10 Stunden unter diesen Umständen, hochkonzentriert zu fahren, ist hier doppelt zu honorieren. Ich beschließe mich wieder auf die Rückbank zurückzuziehen. Schlagartig hörten auch die Kontrollen auf. Außer der Nichtfrühstücker vom Hinweg hielt uns wieder an und meinte er hätte noch keinen Tee getrunken... Meine Antwort: ich auch nicht. Jetzt durften wir gleich weiter. Er wünschte uns eine gute Reise. Ich weiß nicht wieviel Zucker, Tee, Geld und Zweitwährung Kuli ich schon verteilt habe. Aber wenn man es fordert, als sei ich verpflichtet dazu, dann mag ich nicht.

Ich bin gelandet. Es ist dunkel und kalt. Die Dusche ist meine. Nur kaltes Wasser und ich muss von Tropfen zu Tropfen springen, aber der Dreck muss ja runter. Ich bin müde, habe Kopfschmerzen und mir ist kalt. Aber jetzt habe ich 3 Decken und ein Bett. Alles gut.

19.3.21

So ein Morgen ohne Wecker ist was Feines. Es ist 7 Uhr und ich sitze mit meinem Kaffee am Fluss. So herrlich den Vögeln zuzuhören. Mein Morgenspaziergang fällt flach, ich bin zu kaputt. Ich muss mein Zimmer auch endlich mal aufräumen und Wäsche waschen. Erst jetzt bemerke ich, dass Ratten sich einen Zugang zu meiner Bürokiste geknabbert haben. Mein Heft ist in Einzelteile zerlegt. Hoffentlich hat es wenigstens geschmeckt. Also habe ich die gesamte Kiste ausgeräumt, gesäubert und neu sortiert. Somit steht schon fest, dass ich beim nächsten Mal wieder nichts finde. Dann brachte Fatou das Frühstück. Kartoffelsalat für's Tapalapa (Baguette) Heute ist Freitag und Opa hat frei. Mein Plan für morgen ist auch pfutsch. Der Fahrer für den Maschendraht ist krank. So geht das hier dauernd.

Gambia NO PROBLEM.

Der Fischer ist auch wieder da und fischt im Krokodilfluss. Der Eimer ist ruck zuck voll.

Und wieder verabschiedet sich Fatou mit dem Satz, " ich muss zur Beerdigung " Wieder ein junger Mann der krank war. Da die Menschen binnen 24 Stunden beerdigt werden, ist mit Planen nicht viel möglich. Sie wird als Frau nicht direkt bei der Beerdigung sein, sondern bei den Frauen im Compound. Auch ihr kommt das ungelegen, da sie für heute eine Hochzeit ausrichten muss. Ich habe schon Angst, dass die ganze Nacht Halligalli ist. Es kommt öfter vor, dass sich Menschen über Internet " kennenlernen", sich zum ersten Mal hier sehen und auch gleich heiraten. Jeder wie er gerne mag. Unsere Kulturen sind so unterschiedlich, das muss man doch erstmal kennenlernen??? Vielleicht bin ich auch nur altmodisch.

20 Uhr war dann noch immer keine Hochzeit. Der Imam traut gerade noch ein anderes Paar im Nachbarort. Vielleicht ist es da so schön, dass er noch bleiben will. Bin mal gespannt, ob er vor Mitternacht eintrifft. Vor Ramadan finden die meisten Hochzeiten statt, dann können die Paare in der Fastenzeit zusammen sein. Als Nichtehepaar dürften sie sich in dieser Zeit nicht treffen. So finden heute auch in Kitty 4 Hochzeiten statt.

Ich hatte mein Tuch in einem Fahrzeug vergessen und bekam es heute wieder. Ich fragte, woher er wisse, dass es mein Tuch war. Er hatte viele Fahrgäste. Er meinte er hat es am Geruch erkannt. Das sei kein afrikanischer Geruch. Schade, dass es „Wetten, Dass“ nicht mehr gibt. Tücher am Geruch erkennen.

Außer Krach die ganze Nacht wird heute nicht mehr viel passieren. Ich habe das zweite Buch fertiggelesen und den Plan ab morgen komplett ändern müssen. Das ist Gambia. Don't worry be happy.

20.3.2021

Das war eine Nacht.... Bloß gut, dass der Plan für heute über Bord ging. So viel Ohropax wie ich bräuchte, passt nicht in die Ohren.

Es ist schon gewöhnungsbedürftig, eben noch Beerdigung und jetzt lustiges Feiern. Es wird halt mit dem Tod anders umgegangen. Mir gefällt es, eine andere Kultur so intensiv kennenzulernen. Das geht aber nur mit viel Fragen und einem Gegenüber, welches versteht, dass ich nicht aushorchen möchte, sondern lernen und verstehen. Hier komme ich auch mit meinem Buch schreiben weiter. In Deutschland gelingt mir das nicht. Ich brauche diese Umgebung, um schreiben zu können. Schon komisch, aber es ist so.

Während ich krampfhaft versuchte zu schlafen ging auf einmal meine Klospülung. Da es keine Tür zwischen Toilette und Bett gibt, ist das natürlich dementsprechend laut. Im ersten Moment dachte ich echt, dass Jemand rein geschlichen kam. Die Eingangstür ist zwar abgeschlossen, aber das Fenster leicht zu öffnen. Da war aber Niemand, nur das Wasserrauschen, welches später wieder aufhörte.

Sonnenaufgang, meine Kräfte sind zurück und ich starte nach einem Stück Hochzeitstorte in die Natur. Ich fühle mich wie ein Schwamm, der die klare Luft und die Geräusche der Natur aufsaugt. Ich werde von Hunden und Eseln begrüßt und endlich sehe ich am Ufer auch mal eine Schlange. Ich verrate nix, denn sie würde gleich getötet werden. Egal ob gefährlich oder nicht. Sie wissen nicht, ob sie gefährlich ist und töten prophylaktisch. Schade, dass sie so wenig über die Tiere wissen. Alles was sie nicht kennen oder sich Märchen über die Gefährlichkeit seit hunderten von Jahren halten, wird erschlagen. Ich weiß noch, als ich ein Ginsterkatzenbaby im Arm hielt und alle Männer vor Angst wegrannten und mit Steinen zum Erschlagen wieder kamen. Das würde ein Tiger werden.......

Ich warte auf den Anruf unseres Chefs. Heute geht es nach Jamwelly Jallow wo ein Gambier auf seinem Grundstück eine Schule errichtet hat. Im Dezember berichtete er dann, dass er die Lehrergehälter nicht mehr zahlen kann, da das Hotel, indem er arbeitete, geschlossen hat. Da wir keine Gehälter zahlen, haben wir einen Garten entstehen lassen. Die Erträge reichen, um den Lehrern ein kleines Gehalt zu zahlen. Kreide und anderes Schulmaterial holte ich aus unserem Container. Das hilft. Solch Eigeninitiative von Gambiern unterstützen wir gern. Sollen doch die bequemen Herren, die es vorziehen den Tag unterm Mangobaum an sich vorbeiziehen zu lassen, sehen, dass es sich lohnt sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Also ging es zum Container, um einige Spenden rauszusuchen. Auch Zahnbürsten und Zahnpasta waren dabei. Unser Chef zog sich Arbeitshandschuhe an, um dann unterm Baum zu stehen und zuzugucken, wie ich mich im Container abmühe. Das wird sich nie ändern. Wie glücklich war ich zu sehen, dass im Familiengarten in Jamwelly eine Tröpfchenbewässerung installiert wurde und der Garten super aussieht. Natürlich hatte ich Kreide, Stifte, Hefte und auch 2 Tafeln für die Schule im Gepäck. Für den Garten Gartengeräte. Wir fahren wieder.

Und nun passiert, was nicht passieren sollte. Wir bleiben stehen. Nix geht mehr. Sprit ist drin, Batterie hat Saft. Eine Telefonorgie beginnt. Wir müssen abgeschleppt werden. Es ist großartig in der prallen Sonne warten zu dürfen. Zum Glück sind wir nicht im Busch liegen geblieben und zum Glück ist Kerstin inzwischen in dieser Region. Sie versuchte auch Hilfe zu finden. Aber Opa kennt hier genug Leute. Nach ein paar Stunden war klar, wir hatten im Hinterland verschnittenen Sprit getankt. Das Abschleppauto war da, aber Kerstin noch nicht. Ich wollte ihr entgegenlaufen, aber alle Männer lehnten ab. Es sei zu gefährlich geworden, ich bin alleine nicht mehr sicher. Das versetzt mir jedes Mal Stiche in mein Herz. Mein friedliches Gambia was ist mit dir los??? Wir warteten alle nur kurz, dann kam sie und ich fuhr mit ihr ans Meer und Opa in die Werkstatt. Mein Zwischensnack in der Lodge war dann eher gewöhnungsbedürftig. Humus mit Aubergine. Ich konnte es nicht essen, wenn es auch lieb zurecht gemacht war. Also Strandspaziergang. Herrlich saubere frische Meeresluft. Als wir zurück kamen saß der Chef schon da. Das Auto war wieder ok. Ich glaube er vergisst unseren Reservekanister nie wieder, wenn wir ins Hinterland fahren.

Wieder zurück bei Fatou gab es Couscous und Ladyfisch. Es war wie immer lecker.

21.3.2021

Planänderung Nummer 1000. Opa ist beim Automechaniker, weil die Heckklappe klappert. Der Automensch schläft noch. Bald will er kommen.... Einen Termin haben heißt nicht, dass er auch stattfinden wird. Hier wundert sich niemand. Nun bekomme ich die Info, dass der Fahrer für das Zaunmaterial gesund ist und er morgen fahren will. Da kann ich aber nicht, da ein Mitglied von Hand in Hand am Flughafen abgeholt werden muss. Wer weiß wie es weitergeht. Ich muss komplett neu planen und obwohl eigentlich viel Zeit ist, kann es sein, dass ich nicht alles erledigen kann.

Das Frühstück kommt. Es gibt Eier wie jeden Tag. Zum Glück ohne polnischen Stempel. Das hatte ich auch schon. Wenn ich wieder in Deutschland bin, gibt es erstmal 14 Tage keine Eier. ...

Ich sitze draußen am Computer und es wird laut, es hört sich an, als würde ein Zug kommen. Es wird immer lauter und auf einmal wird der Himmel schwarz. Bienen! Ein rießen Schwarm. Ich lasse alles stehen und liegen und verschwinde ins Zimmer. Die schwarze Wolke zieht zum Glück weiter. Ich verstehe langsam, warum die Menschen hier Angst haben vor diesen Honigsammlern. Sie kommen zu tausenden aus dem Nichts und man bekommt echt Gänsehaut.

Der Chef ist da und wir fahren zum Container. Wir hatten ihn grob nach Fahrplan in Deutschland gepackt, der ja jetzt auf dem Kopf steht. Also alles raus, sortieren und wieder rein. Der Schweiß floss in Strömen. Danach ging es zu meinem " Bruder" nach Sanyang. So einem fleißigen Mann bin ich selten begegnet und er hat noch nie um etwas gebeten. Noch nie. Schon beim letzten Mal bekam er Besteck, Tischdecken, eine Kochschürze und vieles mehr für sein Strandrestaurant. Heute ist Sonntag und viele Gambier waren am Strand. Er ist ein super Beispiel was man schaffen kann, wenn man sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Seine Kinder gehen in "unsere" Schule in Sanyang. Auch diese trägt sich durch einen Garten. Auf dem Weg zurück trafen wir auf einen Kankurang. Dem Schutzpatron, wenn die Jungs zur Beschneidung in den Busch müssen. Mit bunten Fransen aus Baumfasern verkleidet und mit 2 Macheten bewaffnet, treibt er die Jungs in den Dörfern zusammen. Und er kehrt mit ihnen zurück, wenn der Heilungsprozess einsetzt. Die Familien versorgen in der Zeit die Kits mit Essen. Das ist aber genau vorgeschrieben, wie dies zu erfolgen hat. Danach sind die Jungs Männer und tragen nie mehr kurze Hosen. Diese Dinge verschwinden langsam und immer mehr Männer tragen halblange Hosen. Im Hinterland werden aber all diese Traditionen noch gelebt. Mit Austern von Fatou endet mein Tag, jetzt wird gelesen. Ich liebe es.

22.3.2021

Heute ist Packtag. Ich ziehe ans Meer. Leider habe ich viel zu viel zu packen. Irgendwann möchte ich auch nur mit einem Rucksack anreisen. Irgendwann…. Ich freue mich auf eine warme Dusche...hoffentlich nicht zu früh. Der Dreck sitzt echt in jeder Pore und will bleiben.

Als ich ankomme gähnende Leere. Keine Angestellten, keine Gäste. Dass ich vor 3 Monaten gebucht habe, weiß scheinbar niemand. Also ab in die Küche. Welch eine Freude, mein Lieblingskoch ist da. Ich wurde förmlich von der Umarmung umgerissen. Er rief dann die zuständige Dame.

Zu früh gefreut. Es fehlt nicht nur das warme Wasser, ich habe gar kein Wasser. Die Räume stinken nach Urin. Ich denke, die Toiletten wurden trotz allem benutzt. Und man versucht jetzt Geschäfte mit Getränken zu machen. Kleine Büchsen, großer Preis. Sie denken nicht daran, dass es auffällt. So wird der letzte Tourist ausfallen, da es nebenan besser ist.

Man ist das alles traurig. Ich übe mich indem, was ich eigentlich nicht habe... Geduld. Sarjo das Zimmermädchen kommt. Erst Freude über das Wiedersehen dann tiefe Traurigkeit wegen der Situation. Was soll sie tun ohne Wasser, ohne Touristen, ohne Einkommen? Sie ist spindeldünn geworden. Der Schlosser kommt, klettert hoch zum Tank, klopft dran und meint, er ist voll. Da muss Wasser sein. Ist es aber nicht. Schulterzucken und er geht wieder. Sarjo hat Angst, dass ich Abreise, ich sehe Tränen in ihren Augen. Also klettere ich auch mal kurz und siehe da, das Ablassventil ist zu. Ein kleiner Handgriff. Der Schlosser war mal wieder ein Spezialist, von denen es viele gibt. Ich denke er wird nicht viel kosten??? Oder gar nichts??? Eventuell freie Verpflegung und einen Schlafplatz? Sarjo fängt sofort an sauber zu machen mit Musik aus ihrem Handy. Die Traurigkeit ist verflogen und unser Chef auch. Er hat eigentlich auch ein Zimmer hier, das hat er auch schon stolz in ganz Gambia verkündet. Wer weiß was er zu tun hat. Wenn er Hunger hat wird er wieder da sein. Ich helfe Sarjo und sie jagt mich davon. Das sei ihr Job ich soll an der Bar warten. Menschenleere. Mein Bäumchen, welches ich täglich gegossen habe, lebt nicht mehr. Mein Hocker wird zu Staub. Irgendwie ist Endzeitstimmung. Endlich ist das Zimmer fertig. Es riecht frisch mit einem Hauch Parfüm. Selbst wenn nicht hätte ich nicht abreisen können. Zu tief wäre der Schmerz. Dann hätte ich mir eben Pfefferminzkaugummis in die Nase gestopft. Es ist Zeit für einen Kaffee. Diesmal nicht mit Wasser aus der Leitung. Das hat mir jetzt echt zu lange im Tank gestanden. Mineralwasser aus der Flasche und ein Tütchen Kaffeepulver und fertig. Mein Tisch ist auch weg. Egal, ich weiß mir zu helfen.

Inzwischen läuft der Wassertank über. Ich versuche ihn zu schliessen, aber erfolglos. Der gerufene Spezialist meint, das Ventil sei kaputt. Nun entsteht hier eine neue Moskitobrutstätte. Mein Traum von einer warmen Dusche ist auch geplatzt. Was solls, wenigstens Wasser ist da. Wie froh bin ich, als ich sehe, dass mein Stöpsel für das Waschbecken noch da ist. Ich habe Zeit und werde gleich den einzigen Langarmpullover den ich mithabe waschen. Jetzt kommt auch warmes Wasser. Test an der Dusche...kalt. Ich ziehe den Stöpsel und mein Bad wird geflutet, die Wäscheleine reißt, ich will nicht mehr. Aber dann klingelt das Handy. Der Chef hat Hunger und ist im Anflug. Wie gut ich ihn doch kenne.

Die 2 Autos der Lodge stehen ebenso eingestaubt und ungenutzt da. Die Fenster sind offen, ich weiß auch warum. Damit der Staub rausgeht. Ich hatte schon dem Chef versucht zu erklären, dass er bei geschlossenen Fenstern gar nicht rein kann. Antwort: das ist Gambia. wie recht er hat.

Karamba der Koch fragte nicht, was ich essen möchte, er weiß es. Shrimps. Voriges Jahr war es schwierig Shrimps zu bekommen, die Chinesen hatten alles abgefischt. Nun steht die Fabrik. Hoffentlich für immer. Kein toter Fisch mehr am Strand, aber noch dieser Fischgeruch. Trotz allem nicht zu vergleichen mit vorher, wo einem Tränen in den Augen standen. Die Jugend hat vor Wut und Machtlosigkeit die Fabrik vor ein paar Tagen in Brand gesetzt. Das Gebäude steht noch, drinnen ist alles verbrannt. Aus die Maus, oder der Fisch....Der Bestand kann sich jetzt hoffentlich etwas erholen. Die Fischerboote sahen auch schon besser aus, aber wovon reparieren? Es ist zum Heulen.

So, es ist 23.30 Uhr und wir haben unser Mitglied vom Flughafen abgeholt. Sie hatte einen entspannten Flug und genießt gerade das Rauschen der Wellen.

23.3.2021

Heute gibt es nicht viel Aufregendes. Silvia muss erst einmal ankommen. Also Kartons sichten und sortieren. Da unser Chef sehr früh aufbrechen musste, gehe ich mit Silvia zu Salem um sein Telefonproblem zu lösen. Salim hat ein kleines, lokales Restaurant, welches wir gerne unterstützen. Opa kommt nicht zurück. Die geplanten Schulbesuche fallen ins Wasser, aber der Zaun für das Hinterland ist nun mal wichtiger. Also gehen wir zu Mama. Sie hat in mühsamer Kleinarbeit eine Strandloge eröffnet. Leider hat ein Buschfeuer alles zerstört. Sie war nicht da, aber telefonieren konnten wir. Wir werden uns die nächsten Tage sehen und dann besprechen wir, ob wir privat etwas helfen können.

Opa ist wieder da, aber zu spät für die Schulen. Wir entscheiden in den Supermarkt zu fahren und wir müssen Geld tauschen. Katzenfutter steht auch auf dem Einkaufszettel. Die Rückfahrt endete in einer erneuten Panne. Noch immer ist Dreck im Tank. Wir hatten Glück, ein Autoschlosser hält an. Er macht den Filter sauber und lässt Diesel in seine Hände laufen, um die Farbe zu sehen. Es geht wieder, aber leider nur 5 km, dann stehen wir wieder. Ein Anruf und ein Freund bringt Sprit. Filter wieder reinigen und los bis zur nächsten Tankstelle. Bei vollem Tank haben wir das Problem nicht.

In Tanjie haben wir dann Fisch gekauft, da die Lodge noch immer auf Sparflamme läuft. Früh keine Butter, keine Marmelade, abends kein Fisch. Business sieht anders aus. Vielleicht morgen, oder übermorgen?

24.3.2021

Ein neuer Morgen am Strand. Silvia und Opa schlafen noch. Ich sehe auf meinem Spaziergang, dass der Abbau der seltenen Erden voranschreitet. Sie haben eine große Anlage gebaut. Laut der Menschen hier geht alles nach China. Wieder sehr teures Material, welches diesen Kontinent verlässt. Warum wird es nicht hier verarbeitet? Das würde endlich Arbeitsplätze schaffen.! Die Fischfabrik arbeitet wieder. Der Hauptofen blieb ganz, da er im Nebenraum steht. Die Jungs, die die Fabrik niederbrennen wollten wußten das nicht. Zum Glück (noch?) keine toten Fische am Strand und kein Gestank.

Nach dem Frühstück, mit Ei natürlich , ging es nach Rumba. Dort haben wir einer bereits bestehenden Schule ein zweites Gebäude gespendet, eine Mauer und für die Versorgung mit Wasser gesorgt. Schulmaterial, Zahnpflege und Luftballons wechselten den Besitzer. Identisch verlief es dann in Sanyang. Die mitgebrachte Kreide schont das Budget. Ebenso gab es eine Schulglocke. Die Freude war riesig. Die Glocke bimmelte im Auto fleißig vor sich hin. Außenstehende wunderten sich über das bimmelnde Auto.

Die von mir 2015 gepflanzte Mango und auch die Stachelanone, tragen reichlich Früchte.

Unsere 3 Lehrer, die wir ausbilden lassen, freuten sich natürlich über unseren Besuch. Es gab Tee mit reichlich Zucker aus ihrer typischen kleinen Teekanne. Der Gärtner zeigte stolz den Schulgarten. Leider gibt es zurzeit kein Essenprogramm. Der Reis ist alle. ???? So kaufen sich die Schüler ihr essen bei den Frauen, die es nun in den Schulen anbieten. In kleinen Boxen wird gezeigt was es gibt. Für die Frauen Geschäft, für die Familien der Kinder eine zusätzliche Kostenbelastung. Die Preise steigen und steigen. Der Sack Zement wird bald 10 Euro kosten, die Lebensmittelpreise explodieren. Wie sollen das die Menschen bewältigen? Die Gehälter/Löhne steigen nicht, Arbeitsplätze sind eh Mangelware.

Unser Chef fährt in die Werkstatt und ich lasse den Abend am Strand mit Silvia ausklingen.

25.3.2021

Sehr unsanft wurde ich 5 Uhr aus dem Bett geschmissen. Wir müssen das Auto für die Nordbank packen. Endlich verlassen mein Zimmer die nächsten Kartons. Ich kann es nicht einmal reinigen lassen, da es komplett voll ist. Wir wollten gestern abend packen, aber der Chef war mal wieder fort. Mein Kreislauf spielt verrückt. Von Null auf 100 habe ich noch nie vetragen. Sofort mußte ich konzentriert sein um nichts zu vergessen und klar unser Chef braucht jetzt einen Tee, wo sind die Kekse.? Hab ich genügend Geld dabei? Mein Kontaktmann am Flughafen muss erinnert werden, dass heute 2 Deutsche anreisen und Hilfe brauchen. Unser Kontaktmann auf der Nordbank muß informiert werden....So langsam brummt der Schädel.

Wir sind im Hafen, leider müssen wir für die Bücher und Tafeln erneut bezahlen. Es verärgert mich regelmäßig. Überall werden wir zur Kasse gebeten um helfen zu dürfen. Silvia bezahlt netterweise die "Rechnung " ohne Quittung. Mein Portemonnaie wurde schon genug strapaziert. Diese Nebenbeizahlungen muß ich logischerweise privat tragen. Wenn man 6 Wochen oder länger hier ist, geht das auch ins Geld.

Auch unsere Verpflegung unterwegs sind Minibeträge und trotzdem kommt über die Zeit was zusammen. Apropos Verpflegung unterwegs, es gab Ziege. Da wir keinen Parkplatz fanden parkten wir ausserhalb und warteten auf die Ziege. Ich sah mich um. Müll überall. So schlimm. Aber wohin damit? Es ist deprimierend.

Wir kommen gut voran. Unterwegs sammeln wir unseren Guide ein um das Dorf zu finden. In der " Wüste" sieht alles gleich aus.

Dann sahen wir die Schule. Sie wurde durch einen Sturm und Feuer komplett vernichtet. In dieser Region gibt es schon fast keine Schulen und dann das. In Zusammenarbeit mit einer holländischen Stiftung und einem gambisch-holländischen Ehepaar wurde die Schule neu gebaut. In sehr kurzer Zeit und in einer super Qualität entstanden 3 neue Klassenräume und eine Bibliothek. Wir wurden von klatschenden Kindern empfangen. Der neue Schulgarten ist eine Wucht. Jedes Beet wird von 2 Schülern betreut. Sie sind dafür verantwortlich und bekommen alles beigebracht, was sie wissen müssen. Einfach nur Klasse. Ein kleines Mädchen im roten Kleid legte ihren Kopf auf die Schulbank. Sie sah in meinen Augen krank aus. Natürlich fragte ich nach. Die Antwort: " Ich habe Hunger ". Das Gefühl kann man nicht beschreiben, auf einmal ist man mit soviel Traurigkeit konfrontiert, dass man nicht weiß wohin mit den Emotionen. Es macht aber keinen Sinn ihr etwas zu geben, denn die anderen Kinder sind auch hungrig. Es gibt keinen Laden um jedem Kind etwas kaufen zu können und morgen wäre/ ist das Problem wieder da. Es ist einfach schlimm, dass überhaupt jemand auf diesem Erdball Hunger haben muss. Es ist genug da. Da das Essenprogramm ausgesetzt ist, findet nur noch kurzer Unterricht statt. Die Kinder können dann nach Hause zum Essen.

Gestern habe ich noch einer völlig fremden Schule Schulmaterial gegeben. Beide Sponsoren sind verstorben und nun???? Zum Glück gibt es ein Ehepaar aus Spanien, welches nun die Verpflegung zahlt. Die Köchin der Schule arbeitet ohne Einkommen um den Kindern zu helfen. Da überall Geld für Kohle fehlt, wird auf dem Holzfeuer gekocht. Jeder Schüler muss täglich mit einem Stück Holz in die Schule kommen. ( gefunden im Busch )

Weiter ging es nach Kayal. Das Dorf, welches 100 Jahre auf Wasser gewartet hat, hat es nun Dank unserem Verein. Der Frauengarten ist fast fertig und hat uns Nerven gekostet. Die Leute in diesem Dorf haben Zeit, viiiiel Zeit. Versprochene Fotos vom Fortschritt kamen nie, dann war der Baumeister verschwunden. Dann fehlte Baustahl..usw.usw. Es kann höchstwahrscheinlich nicht immer klappen....

Die Rückfahrt war heiß, sehr heiß. Auf der Fähre, eingeklemmt zwischen Fahrzeugen, heizte sich unser Auto extrem auf. Es wurde unerträglich. Uns lief der Schweiß. Unser Chef packte sich ein feuchtes Tuch auf den Kopf. Um nicht Stunden zu warten um auf die Fähre zu dürfen, gingen wir wieder den gambischen Weg. Allerdings scheinen die Senegalesen dies besser zu können. Riesen Trucks mit Melonen, Ziegen und Zement durften vor. Dann kam erstmal eine bunte Schar Fußgänger. Mit Schüsseln auf dem Kopf, Ziegen an der Leine oder Hühnern im Arm. Wer sich einen Lastenträger leisten kann nutzt ihn. Zum Glück durften wir noch mit.Wir zeigten unsere Quittungen und sollten 2 Meter weiter zum Tor fahren und hupen, dass uns geöffnet wird. Der selbe Mann lief dann hinter das Tor und öffnete. herrlich.

Worauf freut man sich wenn man dreckig und durchgeschwitzt ist? Genau, auf eine Dusche. Fehlanzeige! Kein Wasser. Also sitzen wir klebrig vor unserer Hütte und warten.

Dann endlich, Wasser. Herrlich. Frisch geduscht treffe ich einen lieben Freund. Auch er ist dünn geworden. Wir setzen uns und sprechen. Er erzählt von seinen Sorgen. 4 eigene Kinder, 2 Kinder seines Bruders, er und seine Frau UND kein Einkommen. Sie haben schlicht und ergreifend nicht genug zu essen. Reislieferungen der Regierung kamen bei ihm nicht an, denn er ist nicht in diesem Dorf geboren. So ein Schwachsinn!!! Ich gab ihm Geld für Reis und er weinte. Er zitterte am ganzen Körper. Das tut mir alles so leid.

Wir sitzen vor dem Rundhaus mit ca.6 Katzen. Natürlich hatten wir Futter gekauft. Zum Dank hat nun ein Kater den Rucksack von Silvia markiert. Mhmm, lecker. Es stinkt wie im Raubtierkäfig.

26.3.2021

Nicht nur gestern früh wurde ich unsanft geweckt, sondern auch diese Nacht. Im Auftrag vom Chef sollte mir ein Angestellter der Lodge ausrichten, dass die beiden Deutschen sicher aus dem Flughafen raus sind. Sehr nett gemeint, aber wieder wenig Schlaf. Mit Verspätung sind dann Katja und Stephan ca. 24 Uhr eingetroffen. Sie überbrachten ein nettes Geschenk. Ein Handtuch für den Schweiß, so dass mein Rock in Zukunft verschont bleibt. Vielen Dank.

Heute ist Freitag und leider brauchen wir Opa. Der Sterilisator muss in die Klinik. Wir mussten ihm versprechen, dass es der einzige Termin heute bleibt. Ich hoffe und bete, dass wir rechtzeitig zurück sind. Es ist sein Freitag. Vorbei an den bunten Gartencentern an der Straße kamen wir ohne viel Stau in Kanifing an.

Die Klinik war außer sich vor Freude. Vor langer Zeit hatten sie den Wunsch geäußert und Elke Dartsch hat ihn wahr gemacht. Zusammen mit vielen Brillen von überall her und auch Augentropfen, gab es überall lachende Gesichter. Auf dem Rückweg kamen wir an der Universität vorbei. Ein Student, der von uns unterstützt wird, wollte uns seine Schule zeigen. Die Uni macht einen guten Eindruck. Hoffentlich die Lehre auch.

Wir werden es sehen.

Wieder zurück ist Opa zur Moschee und wir an den Strand. Schön, inzwischen kommen immer mehr Touristen und fühlen sich frei. Morgen gehen wir zu meinem Bruder Abendbrot essen. Ich habe heute vorbestellt. Wir sind nun inzwischen 5 Deutsche hier Der Umsatz steigt. Silvia hat ihm eine Solarlampe geschenkt. Er hat sich gefreut wie ein kleines Kind. Er hat jetzt auch einen Garten. Wenn er Gäste hat, kommt er manchmal erst nachts zum Gießen. Bis heute musste er auf den Mond warten, der ihm Licht spendet. Jetzt hat er eine Solarlampe. Keine Batterien nötig. Kosten sparend und Umwelt schonend. Besser geht es nicht. Morgen bekommt er noch einige Geschenke. Die Fleißigen sollen belohnt werden.

Der Abend klingt in deutscher Runde bei Rotwein, Bier, Brause oder auch Wasser aus. Dick angezogen mit Meeresrauschen.

27.3.2021

Juchu, wieder eine Nacht ohne Schlaf. Bis 2 Uhr morgens musste mein Nachbar, warum auch immer, seine quietschende Tür permanent öffnen um sie dann zuzuknallen. Dann, endlich eingeschlafen, klopfte es an die Tür. Es war unser Chef. Er hatte Herzschmerzen und der linke Arm war taub. Er wollte warme Milch, seine Lieblingsmedizin. In Deutschland hätte ich den Notarzt mit Verdacht auf Herzinfarkt angerufen. Hier geht das nicht. Eine Stunde haben wir zusammen gewartet, dann wurde es besser und er ging schlafen. Nach der Rückversicherung, dass es ihm gut geht, sind wir dann nach Faraba Kairaba gestartet. Unser Frauengarten mit dem ersten Zaun aus Deutschland. Auf der Fahrt erzählte Opa, dass einer Frau aus Kitty zum 3. Mal das Bein gebrochen wurde. Sie hatte einen Unfall. Ein Auto fuhr in eine Menschengruppe und der Frau wurde dabei der Oberschenkel gebrochen. Viele gehen zu ihren Naturärzten und nicht ins Krankenhaus. Bei ihr wuchs der Knochen falsch zusammen. Dann kommt der örtliche " Doktor " und bricht das Bein wieder. Ohne Betäubung oder Ähnliches. Und das 3 mal!!! Für uns unvorstellbar. Die arme Frau.

Wir kommen sehr schlecht voran. Wir vermuten einen Unfall vor uns. Stau.!! Dann sehen wir den Grund. Massen von Menschen Strömen zu einer Beerdigung. Mit Taxen, Buschtaxen, per Fahrrad, oder zu Fuss. Da es keine wirklichen Fahrrad- oder Fußwege gibt, ist die Straße blockiert.

Irgendwann geht es weiter und wir kommen im Garten an. Wir werden von singenden und tanzenden Frauen empfangen. Die Freude steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Wir hatten Schuhe und andere Geschenke im Auto. Aber vorher gab es ein kleines Meeting. Die Frauen erzählten uns, dass der Garten ein Segen ist. Vorher hatten sie auch einen Garten. Der Zaun aus Palmenblättern hält aber leider die Rinder nicht ab. So wurden sie oft nachts geweckt und mussten dann zum Garten rennen, um ihre Pflanzen zu retten. Nun haben sie einen starken Zaun und eine ruhige Nacht. Aber eine Bitte gab es auch. Sie wünschen sich Toiletten. Verständlich und natürlich bekommen sie Toiletten. Als Abschiedsgeschenk gab es reife Cashew's.

Zurück gab es einen Abstecher zu den Fischern. Vereinzelt kommen sie zurück an das Meer und können fischen. Die Chinesen sind noch verhalten. Die Frauen putzen den Fisch gleich am Strand und dann wird er verkauft.

Dann ging es zu meinem "Bruder" zum Essen.

Mit viel Liebe war der Tisch gedeckt. Das Essen, Domoda, war wieder erstklassig.

Unser Chef ist nun krank und in seinem Dorf, somit Planänderung 1001. Also geht

es morgen zum Gefängnis, um die Jugendlichen von Sanyang zu sehen. Wir nehmen Verpflegung für sie mit und hoffen mehr von dem Abbrennen der Fischfabrik zu erfahren.

28.3.2021

Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht geht es mit einem Freund "pünktlich" los. Auf zum Einkauf. Die Gefängnisse hier sind nicht all inklusiv. Es gibt keinerlei Verpflegung. Opa hat uns nicht erlaubt ohne Begleitung zu fahren. Recht hat er. Heute war eigentlich Mawdey Kunda geplant. In der Nähe von Basse wollten wir das erste Solarprojekt starten. Unser Kontaktmann Lamin musste nun schon das zweite Mal im Dorf absagen. Jedes Mal kam bei uns etwas dazwischen. Nun erfahre ich, dass wir sowieso nicht hätten fahren können, da sein Vater diese Nacht verstorben ist. Es sollte so sein. Fertig. Wir haben gefühlt den Supermarkt leer gekauft. Wasser, Zucker, Tee, Saft, Kekse, Bonbons und Bananen von der Marktfrau. Auf zum Gefängnis. Die Jugendlichen sollen nicht allein gelassen werden. Ich predige immer, dass es ihr Land ist und sie etwas tun müssen. Na gut, sie haben endlich etwas getan. Ob das jetzt das Richtige war, mag jeder selbst beurteilen. Aber in Europa müssen die Jugendlichen auch manchmal erst den richtigen Weg finden. Wie froh waren wir zu sehen, dass sie seit 2 Tagen an die frische Luft dürfen. Sie konnten sich endlich nach 8 Tagen! waschen und somit auch beten. Wir mussten unsere Handys abgeben um, wie die Packesel beladen, zu den Jungs zu dürfen. Mein lieber Moringabauer ist einer der Gründe dieses Besuches. Er hat erzählt, dass er die Zeit im Gefängnis nutzt, um den Jungs etwas über Pflanzenmedizin zu erzählen. Na klar, die haben Langeweile. Es war lustig zu sehen, wie auf einmal alle Männer mit Lollis im Mund rumrannten inklusive der Polizei. Sie halten zusammen. Genau das macht Gambia aus. Mein Freund Sam erklärte mir, dass sie nicht hungern müssen. Sehr, sehr viele Landsleute bringen täglich etwas vorbei. Das zu hören macht mich glücklich. Manche Jungs laufen in Unterhose rum, da sie gerade ihre Sachen waschen. Ich habe lange mit Sam gesprochen, aber auch mit der Polizei. Ist schon Wahnsinn, dass man hier überhaupt als Weiße ins Gefängnis darf. ...

Der Inhalt der Gespräche gehört nicht hier her.

Beim Abschied riefen die Jungs, wir sind alle Menschen, Danke für Eure Solidarität.

Unser Auto sprang nicht an. Die Polizisten gaben uns Starthilfe, bedankten sich und freuten sich ehrlich über diesen Besuch.

Weiter geht es ins Museum. Hier werde ich einige Pflanzennamen bestätigt bekommen, oder auch nicht. .

Auf dem Weg erledigte unser Fahrer dies und das und wir blieben im Auto da der Motor laufen musste. Batterie kaputt. Auf einmal fing das Auto an wegzurollen. Ich rief nach vorne, Silvia zieh die Handbremse. Tja, die ging leider nicht. Die Fußbremse erreichte sie nicht da der Gurt klemmte. Zum Glück kamen sofort Jungs und halfen, sonst hätte es einen fürchterlichen Crash gegeben. Deshalb bin ich ständig froh unser Auto hier zu haben. Ich kaufte einer Frau noch Cashews ab unter weiter ging es.

Im Museum sah es sehr traurig aus. Sie roden die Bäume. Die dicken Stämme verkaufen sie, die dünneren werden zu Holzkohle und auch verkauft. Der nette Herr vor Ort gab mir ein Prospekt aller Bäume, die es mal gab. Ein Teil steht noch. Aber! ich habe endlich Kingkiliba gesehen, ein unscheinbarer Strauch. Eine ganze Tüte voll bekamen wir als Geschenk. Jetzt wird er getrocknet. Es wäre schon mal gut, wenn der Restbestand Wasser bekäme.... Auch da irgendwie Endzeitstimmung.

Am Nachmittag machten wir einen Spaziergang zur Abbaustelle der seltenen Erden. Die Bäume sind gefällt, viele Frauen verloren ihre Gärten. Die Straße ist eine Katastrophe. Selbst Salim kann sein Fahrrad nicht mehr nutzen, der Weg ist zu schlecht. Auf dem Rückweg gingen wir bei ihm vorbei, um Shrimps für morgen Abend zu bestellen. Auch er soll etwas Umsatz haben.

Mit Opa telefoniere ich regelmäßig und er meint es geht ihm gut. Aber hier sind die Menschen härter im Nehmen. Hier gibt es keinen Männerschnupfen.

Morgen geht er zum Blut abnehmen, dann sehen wir weiter.

Der Abend klang in deutscher Runde gemütlich aus.

29.3.2021

Ein neuer Morgen. Mein Kaffee schmeckt und am Strand trainieren ein paar Jugendliche. Ich sitze über meinem Plan und weiß schon jetzt, dass ein paar Punkte offenbleiben werden. Leider sind die Jungs von Sanyang heute in das berüchtigte Gefängnis Mile 2 gebracht worden und sie werden vor das oberste Gericht gestellt. Da sind junge Männer dabei, die nur am Strand Geburtstag feiern wollten. Ich kann an dieser Stelle keine weiteren Ausführungen machen, aber eine Menschenrechtsorganisation wäre hilfreich.

Wir sind auf nach Karton, ein Ort wo man mit einer Nussschale in den Cassamance schippern kann. Auch dort fischen inzwischen die Senegalesen, um den Fisch an die Fabriken zu verkaufen. Wir mieteten uns ein Boot, um auf dem Fluss eine Tour zu machen. Die Sitzplätze waren orange Monoblocks. Es war ein herrlicher Ausflug. Pelikane überall. Auf dem Weg zum Ende von Gambia kam uns ein Boot hinterher. Der Mann auf dem Boot brauchte ein Feuerzeug. Die Frauen zu Hause wollen kochen, haben aber nichts zum Anzünden. Wir haben das Feuerzeug übergeben und auf unserem Rückweg auch zurückbekommen. Wir sind bis zum Ende des Flusses gefahren, dann tat sich der Ozean vor uns auf. Es ist einfach gigantisch das zu sehen. Die Frauen fuhren mit ihren Booten an die roten Mangroven, um Austern zu ernten. Die Schalen werden zu zementähnlichem Mehl gemahlen und als Baustoff verkauft.

Die Erosion schreitet voran. Bald werden die Häuschen am Ufer weg sein. Wir hatten gehofft auch Meerkatzen zu sehen, die mit ihrem Schwanz Krabben fangen. Aber leider hatten sie Mittagsruhe.

Zurück in unserer Unterkunft ging es zu Mama, die ihre Lodge durch ein Buschfeuer verloren hat. Ich war mit Spenden aus Deutschland dort. Nun kann sie eine Rundhütte neu bauen und vermieten. Danke an alle.

Unser Abendbrot bei Salim war der Hammer. Tiger Prawns. Der Tisch war liebevoll gedeckt. Salim brachte wie versprochen Garri zum Kosten mit. Kuhmilch mit Hafer und viiiiel Zucker.

Opa ist mit einem Sack voll Medikamenten zurück in Sanyang. Bei ihm wurde eine Magenschleimhautentzündung diagnostiziert. Es geht ihm aber schon viel besser.

Am Strand ließen wir den Tag ausklingen.

30.3.2021

Ein neuer Morgen und erneut warten. Der Arzt in Kitty kann uns erst Nachmittag empfangen. Wir haben Krücken, Rollstuhl und Gehbänke sowie Medikamente für ihn. Er gibt es kostenfrei an Bedürftige ab. Wirklich kostenfrei, das habe ich von verschiedenen Menschen bestätigt bekommen. Außerdem brauchen wir Silvia ihren Test. Also ist es unmöglich Pläne zu machen. Wir werden immer flexibler. So liegen wir am Strand und ärgern uns über den Müll. Kann man als Lodgebesitzer, mit inzwischen immer mehr Gästen, nicht dafür sorgen, dass wenigstens einmal am Tag der gröbste Müll wegkommt? Die Kühe schlendern wie immer am Strand entlang auf der Suche nach Fressbarem. Orangenschalen, Brotreste usw.

Silvia geht zur Massage und ich breche auf, um einen Strandspaziergang zu machen. Vor zwei Jahren standen nur ein paar Häuser am Strand, jetzt sind es viel mehr. Sicher sind sie für Touristen gedacht gewesen, die ausblieben. Nun verfallen die ersten schon wieder. Einfach nur traurig. Draußen im Meer versuchen Fischer in ihren Nussschalen etwas zu fangen. Zurück in der Lodge erwartete mich eine großartige Überraschung. Silvia hat einen Massagetermin für mich gebucht und die Massage auch bezahlt. So kann es weitergehen. Vielen Dank.

Der Arzt aus Kitty hat sich nicht gemeldet, also Freizeit fortsetzen.

Katja und Stephan waren heute unterwegs und hatten auch Bekanntschaft mit der Polizei. Ihr " Taxi " hat getönte Scheiben, abgedunkelt durch Folie, da die nächtlichen Kontrollen dadurch keine Sicht ins Fahrzeug haben, ist es verboten, oder man zahlt dafür. Die Polizisten scheinen nach der Zahlung dann irgendwie bessere Augen zu haben.?

Nachdem die Folie an der Polizeistation entfernt wurde, durften sie weiterfahren. Kurz danach küsste ein LKW das Heck. Er wollte sicher bremsen, aber die Bremsen hatten Feierabend.

Aus Deutschland bekomme ich immer mehr Zurufe, dass ich hierbleiben soll. Die Lage sei furchtbar. Wie toll ist es dagegen hier. Das "C-Thema" läuft im Hintergrund. Ohne Fernsehen, Radio und Zeitung verlaufen die Tage wie immer. Ich genieße das. Ohne Infos von zu Hause, hätte ich den Virus fast vergessen. Normalität zu spüren ist inzwischen wie im Paradies.

Unser Kontaktmann ist nun aus Sahadatou zurück. Er hat uns abgeraten diese Tour zu unternehmen, da es sehr, sehr heiß ist. Es gab zahlreiche Unfälle durch platzende Reifen. Leider auch Tote. Hier angekommen wird er frieren. Wir sitzen dick eingemummelt bei Black an White am Strand. Das Essen war wieder eine Wucht, wie einfach immer. Da ich, auch wie immer, die Katzen füttere, bin ich heute mit einer Futterdose zu Mama's Hundebaby gegangen. Er ist voller Mangowürmer. Medikament dagegen ist geordert. Man weiß einfach nicht, wo man zuerst helfen soll.

Der Rückweg am Strand war ein toller Abschluss, aber saukalt. Afrika kann auch kalt sein.

1.4.2021

Gestern war Abreisetag für Silvia und für mich Strandtag. Also Strandspaziergang und Treffen mit dem Koordinator der Schule in Sanyang. Das Essenprogramm muss wieder starten. Zum Schluss hatten die Schulen nur noch Abfallreis bekommen. Der war so verschmutzt, dass 8 mal Waschen nicht reichte. Das Gesundheitsamt hat nach zahlreichen Beschwerden den Reis zur Vernichtung freigegeben. Er sollte nicht mal an Tiere verfüttert werden! Seitdem gibt es keinen Reis mehr für die Schulen. Die Preise steigen weiter. Inzwischen gibt es garkeinen Zement mehr. Wenn ein Shop welchen bekommt, ist er in zehn Minuten ausverkauft.

Die jungen Männer von Sanyang sitzen noch immer im Staatsgefängnis, obwohl das ohne Verhandlung nur 72 Stunden erlaubt ist. Sie werden geschlagen und ihre Köpfe wurden rasiert. Sie sollen Namen nennen. 4 Jungs sind jetzt auf Bewährung frei. Sie haben vielleicht Namen genannt????

Ich sitze mit meinem Kaffee und dickem, geborgtem Pullover am Strand. Die lieben Hunde suchen nach Essen. Vielleicht finden sie die Schlange, die gestern unter den Sonnenbetten verschwunden ist.

Der Holzverkäufer kommt und natürlich kaufen wir etwas, um auch ihn zu unterstützen.

Karamo aus Sutukoba hat gestern Abend Geschichten erzählt und wir haben Tränen gelacht. So hat er stets, hauptsächlich in der Regenzeit, Angst vor Schlangen. Wenn alles feucht und dicht bewachsen ist, ist er am liebsten drin. Überall könnten sie sitzen. Eines Abends warf ihm jemand die Kopfhörer vom Telefon zu. Er dachte es sei eine Schlange und warf die Strippe voller Angst postwendend in den Busch. Danach konnten alle lachen, aber in dem Moment war nur Angst da.

In Gambia startet nun das Impfprogramm. Man kann nur hoffen, dass die Lagerung der Impfstoffe ordnungsgemäß erfolgt, da Stromausfälle an der Tagesordnung sind.

Mein Morgenspaziergang am Strand ist schwierig. Durch den Neumond haben wir nun am Tage Flut und nachts Ebbe. Als ich am Strand nicht weiterkomme, biege ich in ein ehemaliges Hotelgelände ab. Die Natur hat sich diesen Platz bereits zurückerobert. Bunte Blumen und Vögel haben hier ihr Biotop. Die Erosion ist aber deutlich zu sehen. Bei großen Palmen sind die Wurzeln freigespült. Manche sind schon ins Meer gefallen. Ein Mann sagte heute zu mir "Gambia geht unter, nicht nur wegen der Erosion. " Es ist deutlich zu sehen, dass der Meeresspiegel steigt. Manche Fundamente stehen schon im Wasser. Ich entdecke eine nagelneue, traumhaft schöne Lodge am Strand. Die Eröffnung sollte nächste Woche sein. Und nun???? Auf meinem Rückweg wollte ich den Weg nutzen. No Chance. Die LKWs, die den Sand non stop vom Strand wegfahren, haben den Weg zerstört. Ich werde wohl noch viel Zeit für Spaziergänge haben.

Ich mache keinen Plan mehr. Was klappt, das klappt. Der Zement ist alle, das Hinterland zu heiß. Wir müssten nachts hin fahren und die nächste Nacht zurück. Das macht keinen Sinn und ist für den Fahrer unzumutbar.

In der Lodge querte wieder eine Sandrennnatter meinen Weg. Sehr schöne Tiere.

So, jetzt geht es zur Bank und dann endlich zum Kitty Doktor. Leider war eine so lange Schlange am Geldinstitut, dass es keinen Sinn machte zu Warten. Es gab gestern Lohn und die Leute brauchen Geld. Sie macht bald zu und das pünktlich, egal ob noch jemand wartet oder nicht. Unser Doktor war dafür nicht pünktlich. Wir warten. Dann bekam er Krücken, Gehhilfen und Medikamente. Er hatte sich wohl bei dem letzten Besuch einer Krankenschwester ein Gerät zur Hämoglobinbestimmung gewünscht. Und es wurde ihm versprochen.! Ich hasse diese Art von Versprechungen. Kann man nicht sagen, ich versuche es? Nun fragte er mich. In der Regenzeit haben die Kinder oft Malaria und dann einen sehr geringen Hämoglobinspiegel. Manchmal dauert der Test zu lange und die Kinder sterben. Nun muss ich hier mal schauen, ob ich das Ding bekomme. Morgen will er ein Foto von so einem Gerät schicken.

Katja und Stephan waren heute beim Heiler. Er hat ihr in der Vergangenheit so geholfen und geschafft, was deutsche Ärzte nicht geschafft haben. Davon kenne ich inzwischen mehrere Beispiele.

Unser Abendbrot gab es bei meinem Bruder Der Tisch war wieder liebevoll gedeckt und das Essen eine Wucht.

2.4.2021

Heute ist Freitag, also wieder Ruhetag. Ich werde schon mal packen, denn bald geht es für eine Nacht nach Kotu. Der Container ist noch halb voll und es geht nicht voran. Heute und auch Montag ist Feiertag. Silvia ist gut in Deutschland gelandet. Der Flieger war brechend voll. Ich habe Moringa und nochmal Seife bei den Frauen in Sutukoba bestellt. Wer weiß wann sie mal wieder etwas verkaufen können. Wie immer werde ich früh von hungrigen Katzen geweckt. Die Kater haben Sturm- und Drangzeit und ich wünsche mir, dass sie kastriert werden. Auch der Lodgehund kommt hungrig daher. Da Opa in seinem Wohnraum so viele Mäuse hat, habe ich ihm den Vorschlag gemacht eine Katze mitzunehmen. Das geht nicht meinte er. Wenn die Mäuse alle sind, muss er Futter kaufen, dafür hätte er kein Geld.

Morgen werden neue Gäste erwartet und schon frischer Lobster/Hummer geliefert. 20 Euro kostet er hier. Nix für mich, aber für andere eine Delikatesse. Es ist Feiertag in Gambia und die Einheimischen genießen den Tag am Meer. Es gibt trotzdem viele, die das Meer noch nicht gesehen haben.

Ich "muss" Urlaub machen und merke, dass es mir schwerfällt. Seit Jahren gab es ihn nur sehr vereinzelt und nun mehrere Tage hintereinander. Morgen früh bricht Opa allein auf zur Nordbank. Er wird Baumaterial einkaufen und den Transport zum Projektort organisieren. Am Abend ist dann unser gambischer Verein hier. Zum Essen, Lachen und ein wenig Vereinsarbeit. Auch das Kassenbuch wird wieder ein Thema sein.

Ich breche auf zu einem Spaziergang. Ich höre leise Trommeln, Kinderlachen, Vögel und sonst nix. Später ruft aus der Ferne die Moschee zum Gebet. Das ist sooo herrlich. Die gut getarnten Schlammspringer suchen nach Futter, die verschiedensten Palmen setzen Früchte an. Geckos kreuzen meinen Weg und die Menschen, die ich treffe, grüßen freundlich. Ohne Ausnahme wird ein guter Tag gewünscht und gefragt, wie es mir geht. Wenn ich irgendwo auf einem Baumstamm raste, wird gefragt, ob alles in Ordnung sei.

Am Abend gab es wieder einen langen Spaziergang. Für Katja der längste seit über 30 Jahren. Dank dem Heiler, hier braucht sie keine Krücken mehr. Natürlich haben wir wieder Kauris und jede Menge schöne Muscheln gesehen.

Karamba hat uns ein großartiges Abendessen gezaubert. Katja und Stephan sind zu einer Hochzeit und ich hüpfe ins Bett.

3.4.2021

Opa ist auf der Nordbank Baumaterial kaufen, ich muss Sachen packen und erstmal wach werden. Diese Nacht sind Spanier in das Nebenzimmer gezogen und es hörte sich wie Party an. Ein Moskito in meinem Zimmer komplettierte eine Nacht ohne Schlaf.

Ich nutzte die Chance mich mit Lamin zu treffen. Unser Kontaktmann für Mawdey Kunda. Ein sehr armes Dorf ohne Strom und sauberes Wasser. Sie haben zwar inzwischen ein Bohrloch mit Solarpumpe, gesponsert durch einen deutschen Verein, aber leider waren vor Ort gambische Spezialisten am Werk. So funktioniert leider nichts. Nur Geld schicken und hoffen, dass es funktioniert, reicht nicht. Man muss vor Ort sein, wenigstens am Anfang.

Dieses Dorf bekommt jetzt Solarkits. So haben sie nachts Licht und können zusätzlich ihre Geräte aufladen. Da ich leider nicht in das Dorf kann, habe ich ihm alles erklärt. Er wird übermorgen in sein Dorf reisen und die Solarzellen mit Lampen übergeben.

Eine Holländerin borgte sich einen Stift von mir. Nachdem sie ihn wieder brachte fragte sie, ob sie ihn desinfizieren soll. Corona ist tief in den Köpfen.

Katja und Stephan waren gestern durch Zufall bei einer Hochzeit und sie haben Braut und Bräutigam gesehen. Ich war schon auf Hochzeiten da habe ich weder noch gesehen. Es ist durchaus üblich, dass das Brautpaar nicht erscheint, oder, dass der Mann am Hochzeitstag gar nicht in Gambia ist. Wie unterschiedlich sind doch unsere Kulturen.

Ich starte erneut auf einen Spaziergang. Mein " Bommelbaum" hängt voller Blüten. Ein Geier schaut von seinem Hochsitz zu und die Buschtaxis fahren die Frauen der Fischer zum Strand. Sie nehmen die Fische gleich am Strand aus, was die hungrigen Möwen sehr freut.

Kinder sammeln Holz für den bevorstehenden Ramadan. Es sind Ferien. Alle drei Jungs können gutes Englisch und so schwatzen wir ein wenig. Sie erzählen, dass die Schwestern im Haus helfen und die Jungs Holz sammeln müssen. Manchmal auch in der Schulzeit. Die Eltern nehmen leider immer noch zu selten die Schulbildung ihrer Kinder ernst. Nur wenn sie um Schulgeld bitten, dann wissen sie wie wichtig die Schule ist. Geht man dann selber zur Schule und zahlt das Geld beim Schulleiter ein, ist das Strahlen nicht mehr so leuchtend. Bei den Polizisten ist das ähnlich. Sie fragen regelmäßig nach Geld für Tee und Zucker. So hatte ich Tee und Zucker eingekauft und abgedeckt auf dem Beifahrersitz. Als sie wieder nach Geld für Tee fragten, sagte ich freudig " ich habe Euch einen Weg abgenommen" und reichte Tee und Zucker aus dem Fenster. Wir mussten zusammen lachen. Die Männer brauchen hauptsächlich Geld, um es zu Hause der Ehefrau geben zu können. Wenn mir auch die Frauen mehr leidtun, so ist es auch für die Männer schwer. Die ohne Job werden, selbst wenn sie krank sind, aus dem Haus gescheucht, um irgendwo Geld aufzutreiben.

Ich komme an einem Cashewbaum vorbei, wo eine Junge die unreifen Früchte mopst. Er wird die Kerne als Saatgut verkaufen. Der Käufer wird sich wundern. Vielleicht hat er Glück und 10 Prozent keimen. Ich mopse auch, und zwar die verschiedensten Samen und natürlich habe ich keine Tüte dabei. Bei dem Müll hier überall ist aber schnell ein Behältnis gefunden.

Auf dem Rückweg treffe ich auf einen gesprächigen Gambier. Er zeigt mir mit den Händen, dass Laufen gut ist. Er fragt in Fula (eine der Sprachen hier) und ich "antworte" in Englisch. Es war ein nettes Gespräch, ohne dass wir auch nur ein Wort vom Gegenüber verstanden haben.

Zurück in der Lodge kam Boris um sich als erster den Platz auf meinem Schoss zu sichern. Alle roten Kater heißen hier Boris. Getauft von uns bei der letzten Gruppenreise.

Was soll ich sagen, zwei von vier Vereinsmitgliedern kamen. Wieder Todesfall bzw. Familiensache. Schulung fällt aus, so langsam werden die Tage weniger, auf die ausgefallene Termine verschoben werden können. Heute sind Libanesen angekommen, die nächste Nacht mit non stop Party, das weiß ich jetzt schon.

Dann kam auch mein Moringa. Es war schwierig, denn mein Moringahändler sitzt mit den anderen Sanyang Jungs im Gefängnis. Aber wenn man sich bemüht, bekommt man alles hin. Ich fand seinen Bruder und der hat nun, in Vertretung, das Moringapulver hergestellt.

Mit Opa, Poliso, Katja und Stephan saßen wir dann nett zusammen. Poliso hat mich gerügt. Er liest auch meine Berichte und natürlich auch, dass ich allein "wandern" gehe. Gambia ist einfach nicht mehr sicher meint er. Ich musste ihm versprechen, dass ich nicht mehr allein unterwegs bin. Na, mal sehen, ob das klappt.

4.4.2021

Gestern Abend wurden wir noch mit Fleisch am Spieß beglückt. Die Libanesen hatten ihren eigenen Grill dabei und haben Ziege gebraten. Es war einfach lecker. Die Katzen bekamen ihr letztes Futter inklusive Vitaminpaste und die Hunde natürlich auch. Nun müssen sie wieder allein klarkommen. Hoffentlich findet sich jemand, der wenigstens die Wasserschale regelmäßig füllt.

Zum Abschied bekomme ich eine extra große Tasse Kaffee mit Herzchen. Ich muss mich vom Meer verabschieden. Wann komme ich wieder???

Gleich kommt ein Ehepaar und holt mich ab. Ich werde eine Ecke von Gambia besuchen, die mir unbekannt ist. Durchgefahren bin ich schon, aber nicht mehr. Heute Abend geht es dann ins Restaurant. Ich genieße das normale Leben in vollen Zügen . Vorher geht es natürlich auf einen Spaziergang in die Natur. Die Krabben sind fleißig am Futter suchen und die Bäume blühen.

Opa hat die ersten 20 Solarkits übergeben. Morgen werden sie in Mawdey Kunda verteilt. Ein tolles Ostergeschenk wie ich finde.

Das befreundete Ehepaar holt mich am Strand ab und wir bleiben noch etwas. Dann fragten sie nach Bildern von unseren Frauengärten, dabei kann ich ihn doch live zeigen. Gesagt, getan und auf nach Kitty. Die Freude war groß, bei den Besuchern wie auch bei Sally unserer Gartenchefin. Alle fragten nach Opa. Ist doch ungewohnt, dass ich ohne ihn im Garten bin.

Dann fuhren wir in mein neues zu Hause. Einfach schön und für mich Luxus.

Ich hatte die Chance viel über Äthiopien zu erfahren, denn der Ehemann stammt aus diesem Land. Zum Essen ging es an den Ballermann, wie ich die Meile am Senegambia gerne nenne. Eigentlich überhaupt nicht das was ich mag, aber ohne Menschenmassen doch erträglich.

Wir haben bei Nico gegessen, der ein kleines, feines Restaurant dort betreibt. Es war ein netter Abend, mit netten Menschen.

5.4.2021

Ein neuer Morgen und ein Hahn kräht. Stimmt, ich habe diese Nacht zwischen Einheimischen verbracht. Der Wachmann kehrt schon die vertrockneten Blätter von den schönen Bodenfließen im Hof. Die Dame des Hauses kommt im Nachthemd fragen, ob ich schon einen Kaffee mag. Den habe ich längst, denn den, samt Feuerstelle, habe ich immer dabei. Ihn brauche ich aber auch. Die ganze Nacht wurde ich mit den verschiedensten Stilrichtungen von Musik aus Rekordern beschallt. Es ist Ostern, die Menschen haben frei und sitzen mit Freunden draußen, um Spaß zu haben. Fernsehen, oder Disko gibt es nur für die Reichen. Ich glaube gegen 4 Uhr war dann Ruhe. Egal, heute habe ich noch frei und werde den Tag genießen. Ich beobachte in Ruhe die Vögel, die dankbar die Vogeltränke annehmen.

Lamin macht gerade meine Arbeit und erklärt die Solarkits in Mawdey Kunda. Super. Er ist nachts hingefahren und wird ein paar Tage bleiben.

Ich finde es toll, dass man inzwischen Aufträge delegieren kann und die Menschen dann voller Stolz ihr neues Wissen weitergeben.

Ich sehe zum ersten Mal, wie eine Efeutute aus unseren Wohnzimmern wächst, wenn sie frei ist. Wahnsinn.

Das Frühstück gab es mit frischem deutschem Brot. Einfach herrlich.

Und die tollen Gespräche erst. Um 11 Uhr ging es zum Osterbruch ins Solomons. So viel Zivilisation in zwei Tagen. Auch da tolle Gespräche mit Frauen die hier schon sehr lange leben. Jetzt aber ohne gambischen Ehemann, die Unterschiede sind wohl doch zu groß.?

Zurück im Heim für eine Nacht fing der Gastgeber noch an zu kochen und Eis gab es auch. Das war Luxusverwöhnprogramm.

Dann kam von Stephan mit einem Foto. Ich glaubte es nicht. Der Mann, der auf Tische und Bänke springt, wenn er eine Schlange sieht und sein T-Shirt unter die Tür schiebt, dass das niedliche Tier nicht mal einen Blick in sein Zimmer werfen darf, hat eine Schlange um den Hals. Der Besuch in der Schlangenfarm war scheinbar heilsam.

Nach dem fünf Uhr Gebet startete unser Manager, um mich abzuholen. Wir hatten einen Treffpunkt ausgemacht. Leider ging aber nichts mehr. Der Präsident scheint aus Dubai zurück zu sein und unterwegs mit seinem Gefolge. Dann darf sich kein Auto auf der Straße befinden. Ich rief Opa an, um zu fragen, wo er ist. Er meinte nur ein paar Meter entfernt und er hätte schon gewendet, ich sollte hin gelaufen kommen. Mein lieber Gastvater packte meinen Koffer und eine Tüte und fragte Opa konkret, wo er stehe. Es waren ca. vier km zu laufen!!!! Mit Koffer? Typisch. Natürlich bin ich nicht gelaufen, Poliso hatte es ja verboten. Es ging dann aber zeitnah weiter und wir haben uns gefunden. Es ist dunkel und ich bin zurück bei den Krokodilen. Nix frieren, jetzt ist es heiß. Einfach nur verrücktes Wetter.

6.4.2021

Raus aus dem Busch, rein in die Hauptstadt.

Auf dem Weg wollte ich endlich auf der Bank etwas erledigen. Aber es stehen zu viel Leute. Ramadan steht vor der Tür. Jeder benötigt Geld. Wir schmuggeln uns rein, aber vor uns ein Mann, der mehrere Millionen einzahlt. Diese Lappen zu zählen dauert ewig. Wir verlassen erfolglos die Bank. Opa muss heute noch zur Beerdigung. Wieder ein Todesfall in Kitty und wieder Nierenversagen. Sie trinken einfach zu wenig. Manchmal aus Ermangelung an sauberem Wasser oder sie vergessen es einfach. Ständig verschmutztes Wasser zu trinken ist sicher auch eine Ursache. Der Mann wurde nur 22 Jahre alt.

Wir schlängeln uns mit dem Auto durch Menschenmassen, die Straße ist ein Fußweg, alle sind geschäftig. Verschmutzte Kuscheltiere und Second-Hand-Lumpen überall.

Wir erreichen das Gefängnis, Mile 2, genannt und ich weine. Es geht nicht anders.

Der Kofferraum ist voll mit Lebensmitteln. Und natürlich stimmt die Öffnungszeit nicht, die man uns vorher nannte. Zum Glück kenne ich das schon und wir fragen am Eingang. Statt um 3 Uhr Start der Besuchszeit, endetet sie kurz nach drei. Wir fahren weiter und quälen uns durch die heiße Hauptstadt. Es gibt keine Parkplätze und wir stehen im Halteverbot. Ich bleibe hier um im Notfall umparken zu können. Unser Chef geht seine Sozialversicherung bezahlen. Einmal im Jahr ist sie fällig und wird nicht wie bei uns eingezogen, sondern wir müssen sie beim Amt vorbeibringen. Oft geht dafür schon ein Tag Urlaub flöten. Ich hoffe es dauert nicht lange und sitze im Schatten im Dreck. Die Leute grüßen wieder freundlich und meinen, dass sie sehen können, dass ich Banjul genieße. Zwischen Autos im Dreck und eingedieselt von Abgasen??? Ich genieße gern anders. Gambia ist klein und so treffe ich Bekannte. Wir müssen echt lachen. So ein Zufall. Wir quatschen etwas und sie ziehen weiter. Jeder ist beschäftigt die Fastenzeit vorzubereiten.

Ich sehe Straßenschilder, die zu Sauberkeit aufrufen, was soll das helfen? Ohne Müllabfuhr und Sinn für die Reinheit der Städte? Was haben wohl die Schilder gekostet? Ich schwitze und brauche eine Toilette. Ich weiß, keine Chance. Nun hoffe ich auf das sprichwörtliche Ausschwitzen.

Ein Bus streift fast unser Auto, hätte ich den Spiegel nicht eingeklappt, wäre er weg.

Nach einer Stunde in der Hitze kommt Opa zurück. Nun kaufen wir noch frisches Obst, um den Supermarkteinkauf zu komplettieren. Auf geht es zum Gefängnis. Als erstes müssen wir in ein winziges Büro. Ein Schreibtisch gibt es, an dem vier Wärterinnen sitzen, eine fünfte steht davor. Außerdem, dicht gedrängt sieben Besucher. An der Wand hängen bunte Plakate, die auf die Abstandsregeln und Maskenpflicht hinweisen. Niemand trägt eine Maske außer wir. Social Distanz nicht möglich. Dann folgt die Ausweiskontrolle. Alles wird in ein Buch eingetragen. Dann packt die stehende Wärterin meine Einkäufe aus. Von jeder Getränkedose kratzt sie das Preisschild ab. Die T-Shirts nimmt sie aus der Tüte, da Tüten nicht erlaubt sind. Danach packt sie die Seife aus der Originalverpackung, um sie in einer der T-Shirt Tüten einzupacken.

Die Bananen werden gezählt. 22 Stück, die Keksrollen, Zahnpasta, Zahnbürsten usw. auf den Bonbontüten darf das Preisschild drauf bleiben. Socken sind nicht erlaubt, dafür darf das Handtuch und die Boxershorts bleiben. Alles wird angesagt und auf einen kleinen Notizzettel geschrieben. Sie brauchte 5 Zettel, die sie dann ihrer Nachbarin gab. Diese hat dann alles in ein Buch eingetragen. Danach bekam die dritte Dame die Zettel, keine Ahnung, ob die Artikel nochmals in das vor ihr liegende Buch eingetragen wurden. Wir durften raus und rein in das Gefängnis. Ich sollte am Eingang meine Brille und meine Uhr abgeben. Als ich sehr höflich fragte warum, durfte ich damit dann doch rein.

Der Innenhof ist voller Baracken und stillgelegter, verstaubter LKWs. Ein Mangobaum hängt voller Früchte. Nach ein paar Metern kam das nächste Büro. Das gesamte Prozedere von eben wiederholte sich, nur dass jetzt auch die Zahnbürsten ausgepackt wurden. Von der einen Stunde Besuchszeit sind schon 40 Minuten weg. Wir sind nicht die einzigen Besucher. Vor uns Frauen mit vollen Kochtöpfen, Kleinkindern und Bananen. Ich durfte draußen bleiben und war dankbar dafür. Nach weiteren 50 Schritten, das nächste Büro, und ohne Quatsch, dieselben Prozeduren, nur dass wir dieses Mal den Ausweis nicht zurückbekamen. Wir wurden in einen Warteraum gebracht. An drei Wänden standen Bänke, die voll mit Wartenden waren. Die vierte Seite des Raumes hatte Trennwände, dahinter war ein 1x1 Meter großer Raum mit einer 2-Sitzer Bank. Sie stand diagonal drin, da sie sonst nicht reingepasst hätte. In den vier Räumchen gab es dann eine Gitterluke, hinter der die Gefangenen sitzen und mit den Besuchern reden können. Sie werden von hinten reingeführt. Wir sollten uns mit auf eine der Bänke im Warteraum quetschen. Ich bat darum stehen bleiben zu dürfen und verwies auf social distance. Was natürlich Quatsch war, zwischen uns allen passte kein Stuhl mehr. Nach und nach durften die Besucher in eine der vier Löcher. Ohne Fenster und ohne Licht. Ich ergatterte einen Stuhl im Raum, mir lief der Schweiß. Ich saß so, dass ich in einen der vier Räumchen gucken konnte. Auf einmal hörte ich schon meinen Namen. Der von uns Besuchte hatte mich entdeckt. Nicht schwer unter sonst schwarzen Menschen. Bevor der Officer uns reinbitten konnte, war ich schon drin und der Beamte musste lachten. Ich habe selten so einen ausgemergelten, trotzdem lachenden und über glücklichen Menschen gesehen. Obwohl ich nicht so viel sehen konnte, es war ziemlich dunkel. Er hielt die Hand ans Gitter, was ich von der anderen Seite auch tat. Und dann! Schlagartig war die Zelle hinter dem Gitter voll. Ich habe keine Ahnung was passiert war, aber die Sanyang Jungs grölten meinen Namen und hinter dem Gitter waren nur noch Köpfe zu sehen. Ein richtiger Tumult entstand. Ich bat die Jungs zu gehen, denn ich wollte ja ein Gespräch führen, das war so unmöglich. Wir mussten regelrecht schreien. Ich durfte 5 Minuten bei dem Jungen bleiben. Hinter ihm stand ein Beamter und hinter mir auch. Na klar, man möchte hören was gesprochen wird. Hinter mir tauchte dann noch seine Mutter auf, die mich dankbar drückte. Er erzählte mir, dass es Essen gibt, aber er es nicht annimmt. Nur original verpacktes vom Besuch isst und trinkt er. Ob er das Mitgebrachte bekommt??? Er bleibt somit oft ohne Essen und Trinken. Ein kurzes Gespräch folgte, dann sagte man uns, dass die Besuchszeit zu Ende ist. Mir liefen die Tränen. Draußen erst merkte ich, dass ich noch immer eine Toilette ganz schön fände. Opa hat inzwischen Sorge nicht rechtzeitig bei der Beerdigung zu sein.

Wir drängelten uns wieder durch Autoschlangen und rechts überholende Mopeds. Die Straßen sind voll mit Fußgängern und Radfahrern, da die Seiten voll mit Ständen sind. Auf dem Buschtaxi vor uns verliert der Kassierer fast seine Hose. Wenn das Taxi voll ist und ich meine voll dann muss der Kassierer draußen bleiben. Das ist natürlich verboten, aber wen interessiert das schon. Wir kaufen noch einen Sack Salz für 2 Euro am Straßenrand, ohne auszusteigen. Salz to go sozusagen.

Ich nutze ein feuchtes Scheibenputztuch, um mich zu erfrischen, das war danach dunkelbraun.

In Farato holten wir dann noch Moringaseife aus Sutukoba ab und ich kaufte Honigcreme vom Imker. Opa kommt einigermaßen pünktlich zur Beerdigung und ich sitze an meinem Fluss. Abendbrot hatte ich abbestellt, ich wusste, dass mir der Appetit vergehen wird. Aber nicht mit Fatou Sie kam führsorglich mit Fisch und bat mich etwas zu essen. Ich versuche es. Der Spaziergang fällt heute aus. Habe zu nix Bock.

Ich beobachte die vielen bunten Vögel und freue mich, dass sie frei sind.

7.4.2021

Es ist Nacht und draußen an der Tür scharrt es. Hühner, Katzen, Hunde habe ich hier am Fluss noch nicht gesehen. Stachelschwein, Ratte, Waran schon. Ich bin im Bett und zu faul aufzustehen. Es scharrt weiter. Ach manno, ich will schlafen. Ich mache genervt das Licht an. Schaut doch frech ein Gecko aus meinem aufgeklappten, vollen Koffer. Der steht direkt neben der Tür, deshalb dachte ich es ist draußen.

Kurz vor Abreise und nach erneutem Umzug wollte ich den Koffer nicht nochmal auspacken. Es ist ja wohl egal wo ich suche, im Zimmer oder eben im Koffer. Nachdem der Charlie (alle Geckos heißen bei mir Charlie) von innen unter das Blechdach verschwand sah ich, dass sich noch Jemand mit 8 Beinen im Koffer wohl fühlt. Ich sollte ihn wohl doch schließen. So, das Geräusch "draußen" ist weg, dafür hüpft Charlie jetzt auf dem Blechdach rum, das ist jetzt auch nicht besser.

Ich glaube ich muss schon wieder umziehen. Die zweite Nacht ist im Nachbarort so laut Disco, dass ich nicht schlafen kann. Das geht bis früh um 5 Uhr. Ich habe eben erfahren, dass noch ein paar Tage die Beschallung gehen soll. Dann muss ich hier weg. Schade, die Ruhe am Fluss hat mir immer gefallen. Ich frage mich nur, wie das die Leute in diesem Dorf aushalten. ???

Es ist inzwischen 4 Uhr morgens. Die Disco läuft noch immer. Ich rufe jetzt das Ordnungsamt an . Die Gambier haben mir oft erzählt, dass sie überall und unter jeglichen Umständen schlafen können. Bei Kälte ohne Decke. Auf dem Boden, egal wo und auch bei Lärm. Da bin ich zu degeneriert.

Heute heißt es die Fotos für die nächste Ausstellung in Berlin zu organisieren, endlich die Bankgeschäfte zu erledigen und alle Formulare für die Rückreise zu drucken. Aber erstmal sitze ich totmüde mit Kaffee an meinem Fluss. An der Bank angekommen stehen wieder sehr viele Menschen Schlange. Eintritt nur mit Maske. Im Kassenraum rutscht sie dann schnell unter das Kinn. Es heißt warten, wie so oft. Es ist kein System erkennbar. Die Geldzählmaschinen haken mehr, als das sie zählen. Niemand stört sich daran. Man hat Zeit. Überall stehen Stempelkissen für die Menschen, die nicht schreiben können. Ein Fingerabdruck reicht. Hoffentlich können sie wenigstens Geld zählen.

Wir sind im Büro, doch nie ist Ruhe. Es kommen ständig Menschen rein und fragen etwas und das, obwohl es schon schwierig mit der Konzentration ist, ohne Störung. Dann kommt ein Mann mit drei ID Karten rein und will Geld abheben. Mitten im Geld zählen für mich, arbeitete er das ab. Der Vordrängler erklärte, dass die Menschen aus Sutukoba Geld abheben wollen. Wir kamen ins Gespräch und ungefragt kenne ich nun den Kontostand des Dorfes.

Ich muss zum großen Chef. Wieder warten. Da ich sechs Monate nicht da war, ist das Konto eingefroren, sprich gesperrt. Warum, kann mir Niemand erklären. Datenschutz. Sorry, ich musste lachen.

Auf geht es nach Gunjur, wir haben einen Termin mit dem Dorfältesten. Wir hielten in Kitty und die Geier freuten sich über unsere Wasserbecken. Die Solarzellen sind super sauber, was mich sehr glücklich macht. Steter Tropfen...... Der Dorfälteste ist natürlich nicht da. Wir erfahren, er ist beim örtlichen Gericht. Dies ist zuständig für kleine Streitereien im Ort. Aber auch dort ist er nicht, er sei nun am Strand. Dann eben nicht. Ich bin mit Katja und Stephan an meinem Fluss verabredet. Es gibt Couscous, ich liebe Couscous. Sie holen die Moringaseife aus Sutukoba ab. Sie haben Käufer zu Hause. Super und dem Frauenprojekt ist wieder geholfen. Stefan packt mir noch die erforderlichen Dokumente für die Abreise auf meinen PC. Nach einem schönen Nachmittag fahren sie zurück ans Meer. Die Temperaturen werden langsam erträglich. Heute waren 38 Grad. Nun sind es nette 25.

8.4.2021

Ich habe ja nun schon keinen Plan mehr, der umgekippt werden kann, aber wenigstens den nächsten Tag muss ich ja irgendwie " planen ".

So fahren wir erneut zum Dorfchef von Sanyang. Auf der Fahrt riefen wir ihn nochmals an, um Bestätigung zu erhalten, dass er auch wirklich da ist. Aber klar bin ich da, meinte er, wir hätten ja einen Termin. 10 Minuten später sind wir da und er ist fort. Wir sind ins Dorf gefahren und fanden ihn in einem Lädchen. Nun wurden wir beauftragt seinen Stempel zu holen und ihn in den Laden zu bringen. unvorstellbar bei uns. Gesagt, getan. Als wir zurück kamen war er erneut nicht da. Haha, ich habe aber seinen Stempel Wir erfahren, er ist beim Schlachter. Schade, dass es kein Geruchstelefon gibt. Die Geier warten auch schon, allerdings wird nichts übrigbleiben. Selbst der Kopf wird vorgegart. Ich bin eingeladen worden und mein Magen meldet sich. Er dreht sich gerade. Mhmm, lecker. Die Häute liegen breit in der Sonne zum Trocknen. Daraus werden Schuhe, Taschen oder Jujus. Jujus werden von vielen Menschen hier am Arm, am Hals oder um den Bauch getragen. Es ist eine religiöse Praktik und soll vor bösen Geistern schützen. Sie werden bereits von Babys getragen.

Nun müssen wir in die nächste Stadt für die letzten Stempel auf den Papieren und wir nahmen Kinder mit. Die Schulwege sind oft sehr lang und die Schüler stehen am Straßenrand und hoffen auf nette Menschen, die sie mitnehmen.

Nun wollte ich gerne noch die superschöne Moschee in Gunjur besuchen. Drinnen und draußen beten die Menschen, ohne uns zu registrieren. Die Hoffnung auf frischen Fisch im Hafen von Gunjur mussten wir begraben. Er wird komplett an die chinesische Fischfabrik verkauft, die Fischmehl herstellt. Aber Sachen aus Kleiderspenden könnten wir kaufen. Davon ist Afrika zu gekippt.

In Brikama angekommen sitzen die Menschen dicht an dicht im Wartezimmer. Die Gerüche und die Temperatur nehmen mir den Atem. Der Chef vom Amt registriert es sehr schnell und führt mich in einen anderen Raum.

Ich darf alleine in seinem klimatisierten Büro warten. Ich bin dankbar und er auch, denn er kommt aus Faraba und weiß, dass ich seit vielen Jahren meinen gesamten Jahresurlaub "opfere", um seinem Land zu helfen. Er erzählte mir wie stolz die Frauen nun sind, da der Garten durch die optimale Wasserversorgung eine große Oase ist. Es ist 14 Uhr und außer einer Flasche Wasser ist nix im Magen. Ich hoffe es dauert nicht zu lange. Stephan und Katja sind zum Testen und rechnen mit 4 Stunden Wartezeit. Gambia ist WARTEN, WARTEN, WARTEN.

Endlich kann ich alle Formalitäten erledigen. Endlich. Es ist inzwischen 15 Uhr. Ich brauche dringend eine Pause. Es nervt. Auch wenn alle Menschen sehr freundlich sind, so ist doch das ganze Land irgendwie ohne erkennbares System. Die Bank öffnet wann sie will, das Testzentrum öffnet und schließt wann es will und Beerdigungen, Namenszeremonien und Hochzeiten wechseln sich ab, oder finden gleichzeitig statt. Ich ziehe mich in meine Hütte zurück, es ist einfach zu heiß, der aufgewirbelte Staub bleibt auf der Haut kleben. Den Sinn von Siesta habe ich auf jeden Fall verstanden. Charlie leistet mir Gesellschaft.

Halb 6 traue ich mich raus. "Meine" Krokodile kommen aus dem Wasser, völlig geräuschlos. Ein Eichhörnchen futtert gerade und die Vögel singen um die Wette. Natur pur. Das werde ich vermissen, aber es gibt auch Dinge, die ich nicht vermissen werde. Logisch.

Das Abendbrot von Fatou war wieder super. Fisch und Chips.

9.4.2021

Mit nassen Tüchern im Nacken konnte ich diese Nacht irgendwann einschlafen. Wie immer der erste Kaffee am Fluss und die Welt ist in Ordnung. Dann habe ich Futter für unsere Schafe gesammelt. Der mutige Fischer ist auch wieder da und versucht sein Glück.

Heute ist Freitag und Opa bleibt wie immer in Kitty. Ich lasse mich von Robert abholen, um ihm die Kitty-Gärten zu zeigen. Er lebt hier und möchte einfach sehen was wir hier so machen. Ich glaube es hat ihm gefallen was er sah. Es ist etwas anderes die Gärten auf einem Foto, oder live zu sehen. Danach wurde ich zum Essen eingeladen. Wir landeten in einem Restaurant, wo es nichts zu Essen, dafür aber warme Getränke gab und so zogen wir ins Nachbarlokal. Meine Pommes waren superheiß und fast noch roh und die andere Bestellung war extrem scharf, wie sehr oft hier. Die Bedienung interessierte es nicht, dass mein Essen zurück ging. Warum auch. Wir sind dann noch zu "meinem" Fluss gefahren und haben gemütlich Kaffee getrunken. Fatou und ihre Familie sind zu einer Hochzeitsfeier aufgebrochen. Jeder darf kommen, auch die nicht eingeladenen. Selbst Fremde werden niemals abgewiesen. Gastfreundschaft wird hier sehr großgeschrieben, auch wenn man nicht viel hat. Einfach toll. Wenn ich Hunger bekomme, soll ich einfach in die Küche gehen und mich bedienen. Es ist wirklich wie zu Hause hier.

Morgen wird es nochmal anstrengend und dann ist die Zeit hier vorbei und natürlich auch die Zeit der täglichen Berichterstattung. Live, in Farbe und coronafrei.

10.4.2021

Der Wecker klingelt und es ist noch dunkel draußen. Nach Einschalten des Telefons rattern die Nachrichten. Am Tage ist der Empfang sehr schlecht, erst recht am Wochenende. Früh schlafen noch alle, so dass noch Internet in der Leitung steckt. Selbst Telefonieren ist eine Herausforderung. Entweder die Leitung ist komplett tot, oder man muss ständig neu anwählen. Opa ist pünktlich und bringt einen riesen Beutel für Deutschland mit. Beim letzten Aufenthalt habe ich ablehnen müssen, da ich schon Übergepäck hatte, Geschenke mitzunehmen. Ich sollte nämlich Schnitzereien mitbringen. Das mache ich natürlich, da es Umsatz für den Schnitzer hier bedeutet. Nun fragte derselbe Mann, ob ich ein Geschenk für seine deutsche Freundin mitnehmen könne. Ich fragte wie groß bzw. schwer es ist. Ganz klein und leicht sei es. Ok, dann werde ich es ins Handgepäck quetschen.... Und nun das. Ein riesen Beutel und schwer ist er auch noch. Leider kann ich ihn nicht mitnehmen und ich werde ab jetzt alle Bitten dieser Art ablehnen. Es macht einfach keinen Sinn. Niemand hält sich an Absprachen. Dann eben so. Sorry.

Es geht los, so langsam wird es hell. Unser Kontaktmann aus dem Dorf wollte dort auf uns warten. 10 Minuten später kam der Anruf, dass er nicht vor Ort ist, wir sollen ihn abholen. Im Auto fällt dem Kontaktmann ein, dass er die Familien vergessen hat, die ein Solarkit bekommen sollen. Das fällt ihm auf der Fahrt dorthin ein! Ich dachte bisher sogar, er kennt die Familien. Die Familien wurden von ihm ausgewählt, da nur er wissen kann, welche wirklich die Ärmsten sind. Dreimal dürft ihr raten wer schuld ist, dass er die Namen vergessen hat. Unser Chef brauchte nur eine Sekunde, um das festzustellen. Natürlich ich. Angekommen im Dorf wälzte sich ein Esel freudig im Sand und der Dorfälteste kam aus seinem Haus, um uns zu begrüßen. Die Verteilung der Sets ging dann problemlos von statten, nur waren wenige Familienangehörige da. Früh, wenn es noch halbdunkel und kühl ist, starten die Frauen in den Busch. Weit weg vom Dorf haben sie dort einige Beete. Sie müssen entfernt von Dörfern die Beete anlegen, da dort keine Ziegen, Esel, Kühe oder Hühner sind. Manchmal tragen die Frauen sogar das Wasser in den Busch, oder wenn möglich graben sie Wasserlöcher, die aber jeden Tag neu gebuddelt werden müssen. Harte Arbeit und harter Alltag. An diesen Beispielen sehe ich dann, was für ein großes Geschenk unsere Gärten für die Dörfer sind. Natürlich kommt auch hier die Frage, nach Wasser für das Dorf. Mir tränt das Herz. Vielleicht sollte ich nicht mehr so viel im Land reisen. Dann ist der Schmerz nicht so groß zu sehen, womit manche Dörfer klarkommen müssen. Auch hier ziehen die Frauen das Wasser aus dem Brunnen, die Männer müssen ruhen.

An meinem Fluss angekommen zog ich mich ins Zimmer zurück. Die Hitze ist doch heftig. Kurz danach kam unser gambischer Kassenführer und es ging mit Rechnen los, bei der Hitze. Ich bekam eine Cassava Knolle zum Pflanzen für zu Hause. Ich bin gespannt.

Wir saßen bis zum dunkel werden draußen. Am letzten Abend gab es nochmal Couscous für uns. Wie werde ich den und noch Vieles mehr vermissen, gleichzeitig freue ich mich riesig auf meine Familie zu Hause. Trotz mehr Freizeit als sonst, war es sehr anstrengend. Ich wollte ja unbedingt alles schaffen, niemand weiß wie und wann es weitergeht. Zwei Frauengärten entstehen gerade und bringen neue Hoffnung für die Dörfer. Für die Ärmsten der Armen. Um diese Arbeit realisieren zu können war ich nun drei Mal in Gambia in der Coronazeit. Mit allem Aufwand, den eine Reise in Krisenzeiten so mit sich bringt. Jetzt mache ich eine Pause. Es ist alles durchgeplant und wir wissen, dass unsere Leute vor Ort gute Arbeit leisten werden. Das lässt mich beruhigt abreisen.

 



 

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